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  Ein kleines Meisterwerk   

Chris     
Liebing 








 

 

Chris Liebing gehört zu den vielbeschäftigsten Techno DJs und Produzenten Deutschlands. Neben einigen 12inch Veröffentlichungen moderiert Chris zusammen mit Pauli Steinbach die Radiosendung "Pitch Control". Jeden Donnerstag Abend wird dann auf HR XXL die gesamte musikalische Bandbreite der elektronischen Musik ( z. B.: Minimal-Techno, Elektro, Schranz und Acid) abgedeckt. Außerdem ist Chris Resident DJ im U60311. Einmal im Monat heißt es "Es ist Freitagaaabend..." In diversen Technomagazinen wird Chris regelmäßig in der Kategorie 'Bester DJ National' in die Top 5 gewählt. Vor kurzem erschien sein Debüt-Album. Im folgenden Interview erzählt uns der sympathische DJ unter anderem ein paar Dinge über Schranz, Love Parade und natürlich sein neues Album "Evolution".

Warum hast du dein Album "Evolution" getauft?
"Der Name stand schon zu Beginn der Produktion fest. Evolution hat im deutschen die gleiche Bedeutung wie im englischen. Außerdem ist Evolution kurz und prägnant. Im nachhinein habe ich mitbekommen, dass einige Leute meinten, das wäre eine hohe Meßlatte für ein Albumtitel. Aber so hatte ich das gar nicht gedacht."

Wie lange hast du an "Evolution" gearbeitet?
"Ungefähr 1,5 Jahre. Hauptsächlich habe ich Werktags an den Tracks gearbeitet. An den Wochenenden bin ich meistens am auflegen. Ich habe mir auch bewußt sehr viel Zeit genommen. Während der Produktion habe ich mir auch wirklich alle Freiheiten einräumen können.

Chris Liebing

Fließen bei deiner Produktion auch politische Tagesthemen ein? Titel wie "American Madness" könnten darauf schließen.
"Ja und nein, eigentlich resultiert der Titel aus den Elementen aus denen der Track besteht. Der Basslauf erinnert sehr stark an Kim Wildes "Kids In America" und dann wäre da noch ein Sample aus "Our House" von Madness. Dann habe ich die zwei Wörter zusammengesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das ganze auch einen Sinn. Ich glaube ich hatte das Stück im Februar 2003 oder Ende 2002 produziert."

Die Presse behauptet immer du hättest den Stilbegriff Schranz erfunden...
"Jein, also ich selber würde das gar nicht so sehen, dass Schranz eine Erfindung ist. Letztendlich gab es den Sound ja schon vorher. Ich will mir nicht anmaßen eine neue Musikrichtung kreiert zu haben. Schranz ist ja eigentlich nur Techno mit diversen übersteuerten härteren Elementen. Ich habe mich damals bei BOY RECORDS (Plattenladen) mit meinem Kumpel über Musik unterhalten. Unter anderem habe ich dann in Zusammenhang zu Technotracks mit übersteuerten Flächen gesagt, das hört sich ja 'schranzig' an. Der Plattenladenbesitzer bekam das mit und hat dann eine Woche später ein eigenes Fach für Schranz eingeführt. Das war damals quasi der Start. Auf Evosonic Radio hatte ich auch mal eine eigene Sendung (Evosonic Update). Dort fiel auch hin und wieder der Begriff Schranz - das war aber alles gar nicht ernst gemeint. Irgendwie hat das wohl eine Generation von neuen Technohörern dazu bewegt zu sagen, das ist jetzt unsere neue Musik. Das finde ich auch absolut in Ordnung. Viele haben auch schon ihre eigene Definition daraus gemacht, die vielleicht gar nichts mehr mit meiner zu tun hat."

Chris Liebing

Gibt es im Moment ein Lieblingsequipment in deinem Studio?
"Das Studio habe ich zusammen mit Andre Walter. Wir produzieren schon acht Jahre und haben das Studio zusammen aufgebaut. Es gibt diverse Lieblingsgeräte. Wobei ich im Moment ganz gerne mit dem EX 24 LOGIC arbeite. Dieses Gerät halte ich für die Samplingbearbeitung als am besten geeignet."

Hast du noch Kontakt zu anderen DJs und Produzenten in und um Frankfurt?
"Neben Andre und Pauli habe ich eigentlich gar nicht so viele engere Kontakte zu Leuten aus FFM, die einen ähnlichen Sound wie ich machen. Aber in Schweden bin ich zum Beispiel sehr gut mit Adam Beyer befreundet. Ihn sehe ich dann auch schon mal öfter als Pascal F.E.O.S., der hier in Frankfurt lebt. Liegt aber auch einfach daran, dass wir ständig unterwegs sind. Frankfurt ist auch nicht unbedingt die Stadt, wo man Abends mal einfach weg geht und sich irgendwo trifft. Das ist in Berlin oder Hamburg schon anders."

Magst Du eher in kleinen Clubs auflegen oder bevorzugst du größere Veranstaltungen?
"Generell eine schwierige Frage. Beides hat was für sich. Wenn ich zum Beispiel auf der Mayday vor einigen tausend Leuten auflege ist das unbeschreiblich. Außerdem hat man auf großen Raves die Möglichkeit Leuten die Musik näher zu bringen, die meine Musik gar nicht hören und vielleicht wegen Paul van Dyk da sind. Diesen Leuten kann man dann mal andere Musik präsentieren. Wenn dann noch die Stimmung paßt und eine große Menschenmasse feiert, ist das schon eine feine Sache. In kleinen Clubs vor 300 Leuten, wo du bis zu sechs Stunden spielen kannst, wird eine ganz andere Atmosphäre freigesetzt. Beides gefällt mir sehr gut. Es gibt aber so Kleinigkeiten, an die ich mich immer wieder gerne erinnere. Das war zum Beispiel mein erster Tresor-Gig (1996) am Sonntag zur Love Parade - ganz zufällig entstanden. Irgend ein DJ wollte nicht spielen und dann kam man auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht auflegen möchte. Ich war dann bis 10.00 Uhr morgens an den Turnies. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Dadurch konnte ich dann öfter mal im Tresor auflegen. Ähnlich verlief es im Frankfurter Omen. Der DJ war krank und es war kein Ersatz in der Nähe. Das waren schöne Erlebnisse, wo es einfach gepaßt hat."

(bz)

Net: www.clr.net

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Chris Liebing: "Evolution" CD CLR/Zomba 2003
Chris Liebing
"Evolution" CD
CLR/Zomba 2003






























































































































































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