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Schock
S c h o c k
 

Eines der auf ewig ungelösten Rätsel ist sicherlich die Frage, ob Glück geographisch gleichverteilt ist. Ein Indiz für eine Negation dieser Frage ist die Konzentration von Pech, das die Mannen von Schock zu verfolgen scheint. Damit meine ich weniger die (mangelnde) Zufriedenheit der Mannen mit ihrer Herkunft, als vielmehr die scheinbar endlose Reihung von Problemen bei der Auslieferung des aktuellen Albums "Glamour", die wohl auch mitverantwortlich für die späte Fertigstellung des nun folgenden Interviews zeichnet.
Möge die Zukunft besser werden ...

Was war zuerst da, der Nachname des Sängers, oder der Bandname? Anders gefragt, warum habt ihr euch für den (für Suchmaschinen unfreundlichen) Namen "Schock" entschieden?
Mein Name war auf jeden Fall schon da bevor das Thema Internet für uns interessant war. Und sieh es einmal so, unser Name erscheint mindestens alle zwei Tage auf der Titelseite des größten deutschen Schmutzblattes. Gut, ich gebe zu die wenigsten denken dabei an uns, aber immerhin.

Seht ihr euch eher in der Tradition althergebrachter Gothic-Rock-Bands, oder seht ihr eurer Genre ganz woanders? Haltet ihr eine Einteilung in Genres (manchmal) für sinnvoll?
Schubladendenken, lässt sich leider kaum vermeiden, obwohl es wahrscheinlich auch nützt, um Musik Menschen näher zu bringen die mit der Thematik weniger vertraut sind. Ich denke wir sind irgendwo im Gothic verwurzelt, aber haben uns inzwischen diverse andere Musikstile zu nutze gemacht, das ich unseren Stil nicht mehr definieren kann.

Ich habe gelesen, dass das Songwriting in erster Linie von Sänger Michael Schock mit Unterstützung von Schlagzeuger und Programmierer Tobias Helbich vonstatten geht. Wie haben wir uns das im Einzelnen vorzustellen? Kommt zuerst der Text oder entsteht der Song nach und nach?
Es gibt keine feste Regelung wie ein Song zu entstehen hat. Es gibt Zeiten da sprudeln die Ideen einfach aus einem heraus und im nächsten Moment steckst du in einer kompletten Blockade. Wichtig ist nur dass das Ergebnis am Ende ehrlich und nicht konstruiert ist und alle Bandmitglieder darauf stehen.

Wie ist die Rolle der anderen Musiker bei der endgültigen Einspielung und bei Auftritten?
Bei uns ist jeder gleichberechtigt. Hello und ich haben zwar einen Großteil der Ideen geliefert, aber im Endeffekt hat jeder Musiker die Chance seine eigenen Ideen mit einzubringen. Ich halte dies für einen wichtigen Punkt der die ganze Sache erst interessant macht.

Ihr seid ja vor allem für eure Live-Performances bekannt. Wie unterscheidet sich der Live-Sound von der Konserve (a.k.a. dem Album)?
Aus irgendeinem Grund klingen unsere Platten leider etwas zu brav. Live setzen wir eher auf ordentliche Rockshow mit anständig bratenden Gitarren.

Schock: Jesus, Satan oder Bugs Bunny?

Live sieht sich euer Sänger ja als "personelle Dreieinigkeit" mit den Pop-Idolen Jesus und Satan. Was für eine Rolle spielt Religion in eurem Leben? Fühlt ihr euch stark durch Religion polarisiert?
Es ist so, das wir in einer Art Geschwür Bayers leben. Eine tiefschwarze Region im Norden Thüringens. Die Union erzielt ähnliche Traumergebnisse und ähnlich sieht es auch mit der Jugendarbeit hier aus. Wir haben alle diverse Erfahrungen damit gesammelt, nur das wir diesen Brocken nicht geschluckt haben sondern uns unsere eigenen Gedanken gemacht haben. Ein dadurch wichtiger Bestandteil meines Lebens und somit auch Teil unserer Musik.

Ihr habt ja schon ein Vorgänger-Album unter die Leute gebracht. Habt ihr das Gefühl, dass ihr auf eurem zweiten Album nicht nur textlich, sondern auch rein musikalisch einen neuen Weg eingeschlagen habt, beziehungsweise eurem Traumsound näher gekommen seid?
Eine Weiterentwicklung. Nicht mehr und nicht weniger, zum gegenwärtigen Zeitpunkt genau so wie ich mir unsere zweite Scheibe vorgestellt habe. Aber nicht zuletzt durch unsere neuen Gitaristen bin ich gespannt wie sich der weitere Verlauf entwickelt.

Die Texte drehen sich ja eher um emotionale Erlebnisse und die empathische Darstellung derselben. Liegt das am Nebenberuf des Sängers bei der Drogenhilfe, oder ist die Berufswahl nur ein Ausdruck einer übergeordneten Fixierung auf das Zwischenmenschliche und die dort auftretenden Probleme?
Nur ein Teil des Lebens, über den ich mir viele Gedanken mache.

Habt ihr das Gefühl, dass Musik helfen kann, die Welt zu verbessern, auch wenn es möglicherweise nur denen nützt, die diese Musik machen? Anders ausgedrückt: Macht ihr Musik aus Sendungsbewußtsein, oder zur Selbstheilung?
Schwere Frage. Wenn man den Glauben daran vollkommen aufgibt, wäre alles bisher da gewesene nicht mehr als eine Lüge um die Künstler zu bereichern die sich mit kritischen Themen auseinander gesetzt haben. Ich denke das Musik im kleinen Rahmen etwas bewegen kann, aber oftmals nicht mehr wirklich gehört wird.

Glaubt ihr daran, dass es Songs gibt, die negative Wirkungen auf den Hörer haben? Liegt es dann am Hörer, an der Musik, oder an der Band, die diesen Song geschrieben hat?
Bands haben eine gewisse Verantwortung bei dem was sie Veröffentlichen. Es ist oftmals nur ein schmaler Grad zwischen dem was man meint und dem was man sagt. Schließlich gibt es genug Kids die einfach blind ihren Idolen nacheifern.

Versucht ihr die Welt zu verändern, in der ihr lebt? Wenn ja, wie? Sollten eure Fans euch darin nacheifern oder doch eigene Wege gehen?
Wir haben unseren eigenen Weg gefunden und das sollte jeder versuchen.

(jz)

Fotos: Strange Ways Medien GmbH

Net: www.schockline.de

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Schock: "Glamour" CD (Zeitbombe/Indigo) 2003
Schock
"Glamour" CD
(Zeitbombe/Indigo)
2003