Interviews                     


Gespräche mit interessanten Musikern.

Zum Interview-Archiv

   
  Mit Sarah Connor in Konkurrenz    
Elektrochemie LK
Elektrochemie LK
 


Die zwei von Elektrochemie LK, Thomas Schumacher und Caitlin Devlin, sind zur Zeit auf großer Welttournee und dadurch schwer beschäftigt. Nachdem sie in Australien, Japan und dem europäischen In- und Ausland gespielt haben, nahmen sie sich trotzdem Zeit für ein ausführliches Interview mit uns.

Im Jahr 2000 wurde die Single "Schall" gleich zwei mal mit dem German Dance Award ausgezeichnet. Was bedeuteten dir, Thomas, Auszeichnungen dieser Art?
Thomas: Auszeichnungen sind grundsätzlich schon etwas feines. Dennoch kommt es mir drauf an zu wissen, wieso man denn ausgezeichnet wird. Die Dance Awards fand ich klasse, weil es einfach eine Anerkennung für den völlig unerwarteten Erfolg damals war. Und man konnte förmlich spüren, wie sehr sich viele in der Branche gefreut haben, dass auch endlich mal wieder ein "undergroundiger" nationaler Künstler gechartet war. Auf der anderen Seite war ich auch mal für irgendeinen VIVA Award nominiert, ich glaube als "Best National Newcomer" und bin da zur Aufzeichnung der Verleihung nach Köln gedüst. Ich kann gar nicht beschreiben, wie bitter diese Veranstaltung war. Es ging da überhaupt nicht um musikalische Inhalte oder wirklich Geleistetes, sondern schlicht darum, Sendezeit zu füllen. Bezeichnender Weise hat Sarah Connor dann den Preis in "unserer" Kategorie abgesahnt (LÄCHELT).

Caitlin Devlin ist seit dem letzten Album "Come Right On Time" festes Mitglied von Elektrochemie LK. Ihr habt euch 2001 während Thomas' Australien-DJ-Tour auf seiner Geburtstagsfeier kennen gelernt. Erzählt bitte etwas über diese Begegnung.
Thomas: Ich war zu der Zeit in Australien auf Tournee und an meinem Geburtstag hatten Freunde mich in ein nettes Restaurant eingeladen. Dort hat Caitlin nebenbei als Managerin gearbeitet. Meine Freunde kannten sie und so wurden wir einander vorgestellt, wobei Caitlin mit erzählte, dass sie Sängerin und Songwriterin sei. Daraufhin habe ich sie eingeladen, sich einen meiner Gigs in Melbourne anzusehen. Das tat sie dann auch, ohne das ich jedoch davon etwas mitbekam und gab einem Freund eine CD mit einigen ihrer Songs drauf. Als ich die CD zum ersten Mal hörte, hat mich ihre Stimme sofort fasziniert. Obwohl die Musik schon sehr getragen und melancholisch war, was nicht unbedingt mein Ding ist, gefiel mir der Gesang sehr. Also haben wir uns nochmals getroffen und intensiv über Musik und Gott und die Welt unterhalten. Wir haben da schnell gemerkt, das wir musikalisch auf einer Wellenlänge sind. So kam es dann, dass ich Caitlin nach meiner Rückkehr nach Deutschland eingeladen habe, hier mit mir Musik aufzunehmen. Und so kam es dann auch!

War es schon vorher geplant, dass die Musik von ELK songorientierter werden soll, oder ist es eine Konsequenz aus der musikalischen Zusammenarbeit mit Caitlin?
Thomas: Das war mir schon vor Begin der Aufnahmen klar. Dabei hat mich auch sicherlich durch die Zusammenarbeit mit Caitlin bis dahin beeinflusst, denn wir hatten schon 6-7 Songs zusammen geschrieben, als ich mit den Aufnahmen zu "Come Right On Time" begann. Dennoch wurde uns erst während der Produktion bewusst, wie gut wir wirklich zusammen arbeiten können, wie sehr wir uns gegenseitig inspirieren und motivieren. Zudem teilen wir viele musikalische Vorlieben und Visionen. Daher war uns auch am Ende der Aufnahmen zum Album klar, das aus Elektrochemie LK feat. Caitlin Devlin E.L.K werden soll, unsere Band, in der wir gleichberechtigt sind. Das finde ich auch viel konsequenter als weiterhin ständig andere Sänger und Sängerinnen zu featuren.

Ihr seid auch privat ein Paar. Ist das für eure musikalische Arbeit manchmal auch hinderlich? Oder befruchtet es eher?
Thomas: Ich denke es ist ein klarer Vorteil, weil man beim Schreiben der Songs richtig "aufmachen" kann, denn wir vertrauen und respektieren einander. Das bedeutet auch sehr ehrlich und kritisch miteinander sein zu können, was teilweise in Situationen mit "Fremden" nicht so einfach ist, denn man riskiert sonst schnell, dass jemand sich beleidigt fühlt.
Wir haben eine sehr hohe Erwartungshaltung aneinander, weil wir um die Qualitäten des Anderen wissen. Dadurch entsteht auf eine Art von Spannung beim Schreiben der Songs, die ich als äußerst positiv empfinde. Wir pushen uns einfach gegenseitig, um wirklich gute Sachen zu machen.

Für das Album habt ihr eine Coverversion des 84er Depeche Mode-Songs "Lie To Me" aufgenommen. Warum gerade dieser Song?
Thomas: Wir sind beide bekennende "Fans" der Band, daher lag es schon fast zu nah, einen DM-Song zu covern. Allerdings wollten wir es vermeiden, eine Single der Briten zu covern, weil es gerade im letzten Jahr einfach viel zu viele beschissene 80er Covers gab. Daher viel die Wahl auf Lie To Me, vom Some Great Reward Album, das uns beide ein bisschen geprägt hat. Am Anfang war es auch gar nicht so leicht, sich vom Original, das man ja schon so häufig gehört hatte, zu befreien aber wir haben uns ausreichend Zeit für die Nummer gelassen und sind heute mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Gerade auch, wenn wir den Song live spielen, merkt man, wie gut wir da die Kurve gekriegt haben.

Was machst du lieber? Platten auflegen oder live auftreten?
Thomas: Beides zusammen, so wie wir es momentan auch häufig tun. Die perfekte Kombination!

Bitte zähle drei Sachen auf, die du an Australien (Land und/oder Leute) magst.
Thomas: Mir gefällt die Einstellung der Menschen dort sehr. Auch wenn es sich vielleicht doof anhört, aber dieses "take it easy" ist einfach allgegenwärtig, die Leute sind ein bisschen entspannter und lachen über viele Dinge, über die wir uns aufregen würden. Dazu kommt dann das Land, die Natur. Obwohl ich auch gerne in großen Metropolen unterwegs bin, fasziniert mich das Wildlife in Australien sehr. Gerade Byron Bay, der Ort an dem Caitlin aufgewachsen ist, ist schon paradiesisch. Als ich es das erste Mal sah, sind mir einfach die Tränen gekommen, so beeidruckend war es. Es regt mich halt nur auf, dass gerade dieses tolle Land am anderen Ende der Welt sein muss...

Caitlin, könntest du drei Sachen aufzählen, die du an Deutschland nicht magst?
Caitlin: Kann ich nicht drei Sachen aufzählen, DIE ich mag? Okay, also drei Sachen, die ich mag und drei, die ich nicht mag, weißt Du, nur um mein Karma auszugleichen! Ich mag den Schnee im Winter, die Dance-Musik-Szene und Salzgurken. Was ich nicht mag, ist der unfreundliche Kundenservice, zwar nicht immer, aber oft. Dann noch Eisregen im Winter und holländische Tomaten.
Thomas: Dann will ich diese Frage aber auch beantworten! Ich mag das Spießbürgertum, die Unzufriedenheit und Unfreundlichkeit der Leute und die Autobahn nicht.

Ihr seid beide schon eine ganze Weile im Musikgeschäft tätig. Was ist für euch das bedeutsamste, was ihr in dieser Zeit gelernt habt?
Caitlin: Ich denke, das wichtigste, was ich gelernt habe ist, wie sehr ich es liebe, Musik zu machen und das steht über allem. Das ist das wichtigste und dankbarste im Musikgeschäft. Das ist auch eine Sache, die dich immer stützt und die dich niemals im Stich lässt. Es gibt jede Menge aufregende und fantastische Erfahrungen. Zum Beispiel vor einem Publikum zu spielen, das liebt was du machst und das eine tolle Party feiert und zur Musik tanzt, die du erschaffen hast und auch den Sinn der Texte versteht, die du geschrieben hast. Das ist eine Reise, die sehr aufregend und meistens sehr lustig ist, aber manchmal auch schaurig und frustrierend sein kann, zum Beispiel als das Columbia-Unglück geschah. Dann gibt es so Zeiten, die nicht so toll sind, wo du alles versuchst, aber trotzdem scheiterst. Manchmal bist du krank und da ist ein Club voller Leute, die nur gekommen sind, um dich zu sehen and du kannst sie einfach nicht im Stich lassen. Es gibt viele Höhen und Tiefen. Also, wenn du diesen Job nicht vom Herzen liebst, wirst du ihn niemals durchstehen.

Welche Platten laufen bei euch zur Zeit privat am meisten?
Thomas: Basement Jaxx: "Kish Kash", Paul Weller: "Days Of Speed", Hell: "NY Muscle".
Caitlin: OutKast: "The Love Below/Speaker Box", Nina Simone: "Here Comes the Sun", Tony Joe White: "The Best Of", Moloko: "Statues", Dinah Washington: "The Best Of".

Caitlin, gab es jemals einen Moment, wo du es bereut hast, dass du deine angedachte Schauspielkarriere nach drei Jahren abgebrochen und dich statt dessen verstärkt der Musik gewidmet hast?
Caitlin: Als mir endlich bewusst wurde, wie sehr ich es liebe, zu singen und Songs zu schreiben, dachte ich nicht daran, dass es mich für immer von der Schauspielerei abhalten könnte. Ich nehme immer noch Schauspielunterricht, wenn ich meinen besten Freund in New York besuche, der auch Schauspieler ist. Bevor ich nach Deutschland kam, machte ich auch ein paar Kurzfilme mit einem Freund aus Melbourne. Ich liebe es wahrhaft, zu singen und ich liebe auch die künstlerische Freiheit, die man als Songwriter hat. Als Schauspieler muss man oft erst auf andere warten, damit du endlich anfangen kannst, zu arbeiten, zu spielen. Als Sängerin und Songwriter gebe ich mir selber die Gelegenheit, jeden Tag zu arbeiten, zu schreiben und zu singen!

Elektrochemie LK

Hattest du sowas, wie eine klassische Gesangsausbildung?
Caitlin: Nein. Ich wollte immer Klavierunterricht nehmen, aber in meiner Jugend war für solche Extravaganzen einfach kein Geld da. Meine drei älteren Schwestern und meine Mami hatten zusammengeschmissen und kauften mir eine Gitarre als ich 17 war. Zu dieser Zeit hatte ich einen Freund, der richtig gut spielen konnte und er brachte mir die Grundakkorde und Techniken bei und dann übte ich einfach weiter und lernte auch aus Büchern.

Wie weit fortgeschritten sind die Planungen für euer zweites Projekt "Lead"? Kam die Initiative dafür von dir, Caitlin, da es sehr songorientiert werden soll?
Caitlin: Direkt als ich nach Deutschland kam, hatten wir die Idee, Songs für ein neues Projekt zu produzieren, welches wir Lead genannt haben. Wir nahmen ein paar wunderschöne Songs auf und dann fingen wir an, am ELK-Album "Come Right On Time" zu arbeiten. Thomas bezeichnete mich zuerst als Gastsängerin, aber da wir zusammen leben und in unserem Studio zuhause zusammen arbeiten, kristallisierte es sich bald heraus, dass ich an der Produktion des Albums sehr involviert war und ich hatte eine Menge Ideen, was Texte und Melodien angeht, die Thomas schrieb. So wurde ich recht natürlich ein Teil von ELK und wir entschieden uns dazu, all unsere kreativen Kräfte in ELK zu stecken und es zu unserer Band zu machen. So gibt es nicht länger "ELK featuring Caitlin Devlin". ELK, das sind wir beide.

Ihr seid momentan noch bis Mitte dieses Jahres auf Tour. Was kann man von den Auftritten erwarten?
Caitlin: Wer sagt, dass wir nur bis Mitte 2004 touren? Das war erst der Anfang! Wir schreiben und arbeiten bereits am nächsten ELK-Album, welches definitiv noch dieses Jahr erscheint. Thomas und ich LIEBEN es, live zu spielen und auf Tour zu sein. Also kann man uns noch eine ganze Weile live erleben. Wann man von uns live erwarten kann? Du kannst eine fantastische Party erwarten, bei der du tanzt und deinen Arsch bewegst, bis du nicht mehr kannst. Wir bringen Songs von "Come Right On Time", die wir überarbeitet haben, um sie für den Dancefloor zu pushen. Wir spielen Mash-up Bootlegs, Elektrochemie LK-Klassiker und außerdem ein paar Sneak Previews von unserem nächsten Album.

(mk)

Net: www.elektrochemielk.com

Top

 




Elektrochemie LK
"Come Right On Time" CD
(Eastwest/Warner Music)
2003











































Thomas Schumacher







































































Elektrochemie LK



























































Elektrochemie LK