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Alien Sex Fiend
Alien Sex Fiend
 


Nenn es Gothic, nenn es Glam-Punk, nenn es Trash - der Kosmos von ALIEN SEX FIEND wird auch mehr als 20 Jahre nach der Gründung der Band keinem modischen oder anachronistischen Etikett gerecht.

Mit ausgefeilten, unverwechselbaren, selbst kreierten Gimmicks und Samples, die renommierte Kollegen wie Iggy Pop oder David Bowie zu Lobeshymnen hinrissen - gepaart mit ausufernden, improvisiert wirkenden, aber stets auf den Punkt kommenden Gitarrenwällen, dem unverwechselbaren Gesang Nik Fiends und seinen surrealen Texten, die weit mehr als die Absonderungen der meist bemüht aufgeblähten Epigonen Zeitgeist und wahre Wut offenbaren - und nicht zuletzt wegen des nötigen Quäntchens Humor und Ironie, der immer ein unverzichtbares Markenzeichen der Band waren - bleiben ALIEN SEX FIEND eine der wenigen letzten Trash-Ikonen, die das besitzen, was dem Rest fehlt: Persönlichkeit.
Nach untypischen, aber den Horizont erweiternden nötigen Ausflügen in Techno-Gefilde, die in der Veröffentlichung des letzten regulären Albums "Nocturnal Emissions" (1997) mündeten, melden sich ALIEN SEX FIEND nach mehr als 6 Jahren mit einem Album zurück, das Tradition und Vision auf einzigartige Weise vereint: "Information Overload" als klassisches ALLIEN SEX FIEND-Album zu bezeichnen, wäre fast schon eine Untertreibung.
Es ist vielmehr die Maximierung und Komprimierung des über die Jahre erarbeiteten Klangkosmos - und steht somit in einer Reihe mit Klassikern wie "Acid Bath" (1984) oder "Curse" (1990): Vom - wie immer vom Meister Nik Fiend selbst gestalteten Artwork - bis hin zu den - in alter Tradition - von 14 Sekunden bis hin zu fast 12 Minuten dauernden Tracks repräsentiert "Information Overload" sämtliche Facetten des Planeten ALIEN SEX FIEND und ist somit geradezu zu einem "White Album" der Band geraten, das kaum einen Wunsch offen lässt.

Eine Überraschung, denn jahrelang war es sehr ruhig um die Band...
Chris Fiend: Wieder ein Album im alten 'Alien Sex Fiend'-Stil zu machen, kam eigentlich dadurch, dass wir uns bei der Zusammenstellung unseres Best Of- und Raritäten-Albums "Fiend At The Controls" wieder bewusst wurden, wie einzigartig unser Stil und unsere Attitüde sind. Wir haben Mixe entdeckt, die auch heute noch sehr neu und unvergleichlich klingen. Unsere ursprüngliche Idee war es, ein Remix-Album zu veröffentlichen. Doch je mehr wir darüber nachdachten, wurde uns bewusst, welche Qualitäten wir besitzen. Wir haben uns bewusst sehr viel Zeit gelassen und sehr konsequent an den Tracks gearbeitet, die jetzt auf dem Album zu hören sind. Wir haben für das ganze Album nur 6 Monate gebraucht, obwohl wir das Studio zweimal wechseln und alles neu einrichten mussten. Doch wir können nicht anders arbeiten. Alles muss in einem Rutsch passieren, es muss ein kontinuierlicher Prozess sein. Wir leben dann in unserer ganz eigenen Welt. Und da dürfen keine Telefone, Gerichtsverhandlungen oder Freunde stören. All das würde den Geist und das Gefühl zerstören.

Dennoch mutet das Besinnen auf die ursprünglichen, auch comichaften Qualitäten zunächst wie ein Rückzug in kommerziell sichere Gefilde an...
Nik Fiend: Bullshit. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich denke, wenn wir Mitte der 90er genauso weitergemacht hätten, wie zuvor, wären wir heute todsicher eine Selbstparodie. Wir mussten Experimente wie "Inferno" oder "Nocturnal Emissions" wagen, um ein Album wie "Information Overload" überhaupt aufnehmen zu können! Hätten wir die Distanz zu unseren eigenen, früheren Werken nicht gehabt, hätten wir uns nicht erneut so entfalten können.

Alien Sex Fiend

"Information Overload" ist ein im besten Sinne klassisches Alien Sex Fiend-Album - ganz in der Tradition von Meisterwerken wie "Curse" oder "Acid Bath".
Obwohl Kritiker der Band - gerade nach ihren gelungenen Ausflügen in technoide Gefilde - ein gewisses Maß Anachronismus nachsagen, stimmt dieser Vorwurf nicht: Im Gegensatz zu vielen ihrer Gothic-Kollegen, haben Alien Sex Fiend Samples nicht nur benutzt, sondern kreiert, und so über die Jahre einen unverwechselbaren, kaum zu kopierenden eigenen Kosmos geschaffen...

Chris Fiend: Als wir die Tracks für unser Album "Fiend At The Controls" aussuchten - und auf wirklich rare, obskure Ausnahmen in unserem Archiv stießen, fragten uns viele Leute, warum diese Stücke nie auf einem Album veröffentlicht wurden. Sie waren erstaunt, wie neu und radikal diese Tracks klangen. Von daher sind wir uns schon bewusst, dass wir anderen Leuten immer eine Nasenlänge voraus sind - und hatten deshalb auch keine Eile, "Information Overload" zu veröffentlichen. Es ist ein Album, das auch noch in 3 Jahren neu klingen wird.

Mrs. Fiend von Alien Sex Fiend

Nichtsdestotrotz klingt "Information Overload" - im besten Sinne - wie ein Best-Of-Album, das alle über die Jahre erarbeiteten Elemente der Band beinhaltet...
Chris Fiend: Das ist eher ein Zufall. Wir haben uns wie immer nichts diktieren lassen. Dass das Album nun zu einem Konzept-Album geworden ist, war nicht geplant. Nik wollte, dass die Stimme wieder ein integraler Bestandteil der Songs, ein dominierender Teil der Musik wird. Und da er zur Zeit der Aufnahme sehr wütend war, geriet das Album zu einem sehr emotionalen Ausbruch.
Nik Fiend: Die letzten 7 Jahre warten für uns nicht immer leicht. Es gab viele geschäftliche und persönliche Probleme. So sind neben einigen humorvollen und sinnlichen Tracks, wie z.B. "Baby", auch sehr direkte, wütende Songs wie "Motherfucker Burn" zu hören, die nicht sehr viel Raum für Interpretationen lassen. Auch nach 20 Jahren gibt es immer noch genug Dinge, die einen ankotzen.
"Information Overload" war nie als Konzept-Album geplant, aber hat sich letztendlich zu einem solchen entwickelt. Die Technologie hat sich zu einem Sklaventreiber entwickelt. Dabei gibt es vielleicht gar nicht zu viele Informationen - dennoch sind 90% vollkommene, verzichtbare Scheiße. Belastender Spam! Es erinnert mich an die Zeit, als ich 20 miese Platten hören musste, um eine wirklich gute zu finden...!

Also hat sich nicht sehr viel verändert...
Nik Fiend: Um ehrlich zu sein, nein! Auch wir haben uns eigentlich kaum verändert. Und das betrachte ich als Qualitätssiegel. Die Basis unserer Musik ist nach wie vor dieselbe, wir sind nie Kompromisse eingegangen und haben uns nie verkauft. Und es freut uns, dass uns viele Leute auch 2004 nicht vergessen haben und unsere Werte zu schätzen wissen. Dass uns Leute wie Suicide Commando als Einfluss nennen, ist für uns ein großes Kompliment - darum freuen wir uns auch, im Sommer endlich wieder in Deutschland auf dem Zillo-Festival zu spielen.
Überhaupt denke ich, dass die Deutschen unsere Attitüde und vor allen Dingen unseren Humor weitaus besser verstanden haben, als die englischsprachigen Fans.

(© Ecki Stieg)

Net: www.asf-13thmoon.demon.co.uk

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Alien Sex Fiend
"Information Overload" CD (Luce/Alive) 2004
























































Nik Fiend von Alien Sex Fiend


Chris Fiend von Alien Sex Fiend























































































































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