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New Concept
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Vor kurzem erschien "The Outer Gates", der zweite Longplayer des Chemnitzer Synthiepop-Trios New Concept. Mehr als drei Jahre dauerte es, bis Uwe Loos, Marcel Gläser und Olli Keil den Nachfolger ihres 2000er Debütalbums "Wheel of Love" fertigstellen konnten. Kurz nach der Veröffentlichung sprachen wir mit Marcel über den langwierigen Entstehungsprozess, die Bedeutung des Albumtitels und die Zukunft der Musikindustrie...

Die Songs auf eurem neuen Album "The Outer Gates" entstanden innerhalb der letzten drei Jahre. Lagen die älteren Songs bereits seit längerer Zeit fertig bei euch "in der Schublade" oder habt ihr sie bis zuletzt immer wieder verändert und überarbeitet?
Wir arbeiten eigentlich in der Produktionsphase immer solange an einem Song, bis er komplett fertig ist, fangen zwischendrin keinen anderen an, und ändern auch nichts mehr, nachdem wir ihn produziert haben. Somit lagen einige Tracks auch schon lange herum und warteten nur auf die Veröffentlichung. Im Gegensatz zu unserem ersten Album "Wheel of Love" gab es aber auch Titel, von denen wir mehrere Versionen erstellten, so z.B. "Sky". Es gibt da noch eine sehr schöne Version im Stile von "HIM", die Olli gesungen hat, und eine Balladenversion, die uns aber nicht so recht gefiel. Wir haben an dem Material nicht wild herumgebastelt, weil es vielleicht nicht gut genug gewesen wäre: Es dauert bei New Concept einfach länger als bei anderen Bands, bis eine LP fertig ist.

Gibt es eine textliche oder musikalische "Grundidee", die die einzelnen Songs miteinander verknüpft?
Im Prinzip ist "The Outer Gates" kein Konzeptalbum. Wenn man über einen so langen Zeitraum eine LP produziert, hat man nicht nur einen Grundsound oder eine Grundidee im Kopf. Unser Musikgeschmack ändert sich zudem regelmäßig - relativ häufig innerhalb kürzester Zeit - und das hört man der CD auch an.

Allerdings: Hätte man mir gesagt, dass es sich bei dieser CD nicht um ein reguläres Studioalbum, sondern um eine "Singles Collection" handelt - ich hätte es geglaubt...
Es ist tatsächlich mehr eine "Singles Collection" als ein Studioalbum. Wir freuen uns immer wieder, wenn das andere Leute auch so sehen... Es zeugt ja nicht zuletzt von dem Potential, das in New Concept steckt. Es gibt aber eine rein ideelle Grundidee: "The Outer Gates" - "die äußersten Tore" - steht für Dinge, die der Mensch nicht ergründen oder ändern kann. Sozusagen die Grenzen, die er mit seiner Intelligenz und seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht überschreiten kann.

"The Outer Gates" ist vom ersten bis zum letzten Ton sehr eingängig. Von der Promosingle zu "U Stop Me" abgesehen wird es aber keine Auskopplungen geben. Wie kam es zu dieser Entscheidung und riskiert ihr nicht, dadurch in der Flut neuer Veröffentlichungen unterzugehen?
In der Flut der Veröffentlichungen geht man als relativ unbekannte Indie-Band sowieso unter, ob nun mit Single oder ohne. Am Tag der V.Ö. unseres Albums wurden in Deutschland weitere 5.000 neue Tonträger anderer Künstler veröffentlicht... Die Art und Weise der Promotion obliegt unserer Plattenfirma "Strange Ways", sicherlich gibt es handfeste Gründe, weshalb es keine Auskopplung geben wird. Das "Geschäft" mit Singles ist zudem nicht sehr lukrativ, wenn man nicht gerade in den Top 10 landet.

In Interviews vermittelt ihr oft den Eindruck, dass es euch wichtiger ist, eure Musik möglichst weitläufig zu verbreiten, als sie zu verkaufen. Sieht eure Plattenfirma das auch so "locker" wie ihr?
Die Plattenfirma weiß, wie wir das meinen, insofern gibt es da keine Probleme. Es geht uns unter anderem darum, die Musikhörer in Verbindung mit der Handhabung von CD-Kopien und Mp3s nicht als Kriminelle hinzustellen. Die Industrie hat die Möglichkeiten geschaffen, um sich Kopien zu besorgen, und ist unserer Meinung nach auch dafür verantwortlich Möglichkeiten zu schaffen, dies wieder einzudämmen. Grundsätzlich sind die Statements von uns ironisch gemeint: Wir sind keine Fans von KaZaA & Co., werden das aber auch nicht ändern können. Da wir sowieso nicht in dem Stadium sind von Musik leben zu müssen, dienen diese Aufrufe zum Kopieren von New Concept-CDs eher der Verbreitung unserer Musik. Ein positiver Effekt könnte sein, dass diese Leute zu unseren Konzerten kommen, denn ein Live-Erlebnis kann man nicht kopieren. Die Zeiten, als man als Musiker mit einem Plattenvertrag von seinen Einnahmen aus Tonträgern einfach so leben konnte, sind sowieso schon lange vorbei. Heute ist es möglich, mit 10.000 verkauften Singles schon in den Top 10 zu landen, und man hat trotzdem nichts davon. Allgemein ist das eine sehr bedenkliche Entwicklung: Es ist denkbar, dass es in 10 Jahren nur noch einen kleinen ausgewählten Pool von Musikern gibt, die die Musik für Funk, Fernsehen, Klingeltöne und Live-Erlebnisse produzieren.

Hoffen wir, dass es nie soweit kommen wird... Aber zurück zu eurer Musik: Der "R'n'Voice"-Remix von "Station Man" unterscheidet sich in zweierlei Hinsicht vom Rest des Albums: Zum einen musikalisch - der Name ist Programm - zum anderen, weil auf ihm eine Frauenstimme zu hören ist. Welche Dame hat euch da ihre schöne Stimme geliehen?
Das war Rebekka Markstein. In unserer Region gibt es ein sehr bekanntes Musikhaus "Markstein" in Hartenstein, was schon mal darauf schließen lässt, dass es sich um eine musikalische Familie handeln muss, und dem ist auch so: Rebekka singt sonst Jazz und alles was noch Spaß macht, ist im Gegensatz zu vielen anderen Sängerinnen intelligent, wie es sich gehört auch gutaussehend, außerdem derzeit in Norwegen. Gewicht und Größe haben wir nicht da...

Ist sie ein festes Mitglied der "Columbia Pirates", der Nachwuchsband, die diesen Remix für euch angefertigt hat?
Ja, die "Columbia Pirates" bestehen aus Ralf Domke, Sebastian Mühle und eben Rebekka Markstein. Sie werden in diesem Jahr ihr Debütalbum veröffentlichen - musikalisch angesiedelt an "Air", "Nurt" und Jamiroquai, eine sehr angenehme Mischung aus Elektronik und Akustik. Smooth und modern, dennoch keine Popmusik. Sebastian hat zudem an zwei Tracks zum "Outer Gates"- Album mitproduziert.

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Zu den drei Bonustracks auf eurer neuen CD zählt auch "Blue Dress", eine Depeche Mode-Coverversion. Warum gerade diese Band und weshalb gerade dieser Song?
Dieser Track ist nicht direkt für das Album produziert worden, sondern bereits fast zwei Jahre früher für einen dieser 10.000 DeMo-Cover-Sampler, die es da so gibt. Die Titelauswahl war sogar vorgegeben, man kann also sagen, dass wir den Song noch nicht mal selbst ausgewählt haben. Unser Sänger Uwe war aber der Meinung, dass diese Version unbedingt mit auf das Album muss, wir hatten diesbezüglich auch einige bandinterne Meinungsverschiedenheiten. Grundsätzlich war die Synthiepop-Fangemeinde in den 80ern ja in zwei große Lager geteilt: das der Depeche Mode-Fans und das der Pet Shop Boys-Anhänger. Wir zählen uns in jedem Fall zur zweiten Fraktion.

Andere Namen, die mir beim Hören eures Albums unweigerlich in den Sinn kamen, sind De/Vision und Camouflage. Wertet ihr solche Vergleiche eher als Kompliment oder bezeichnet ihr selbst ganz andere Künstler als eure Inspirationsquellen?
Vom Prinzip her kann man ja nicht verärgert sein, wenn man mit erfolgreichen Bands verglichen wird. Wir sehen da aber gern andere Parallelen: A-ha, Morcheeba, Supertramp, Bee Gees, Chris Isaak, Pet Shop Boys, Alphaville, Black, U2, Robin Trower, Grant-Lee Phillips, Radiohead, Crowded House, The Beloved, Savage Garden, Tears for Fears...

Was können wir als nächstes von euch erwarten: Wollt ihr schon bald wieder ins Studio oder werdet ihr "The Outer Gates" erst einmal live vorstellen?
Wir haben schon wieder eine Menge neuer Songs geschrieben und sind gerade bei Produktionen und Aufnahme. Wir möchten unsere Fans nicht noch einmal fast 4 Jahre warten lassen. Live gibt es einige Auftritte, unsere Clubtour mussten wir aufgrund diverser Theater-Engagements von Olli leider verschieben, neue Termine gibt es immer auf unserer Website. Grundsätzlich sind wir aber lieber im Studio als live unterwegs...

(af)

Net: www.new-concept.net

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"The Outer Gates" CD
(Strange Ways/Indigo)
2004

















































































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