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  split second feelings?  
 

A SPLIT SECOND
Text und Interview aus dem Jahre 1995

Wer mag heute schon sagen, welche hochtechnologischen Errungenschaften das nächste Jahrtausend so mit sich bringen wird. Und damit dann natürlich wieder hunderte von neuen Fachwörtern und deren Abkürzungen. Wer heutzutage schon mit Begriffen wie Bite oder RAM nichts anzufangen vermag, gilt bereits jetzt als anitquiert. Jemand auf den das nun ganz und gar nicht zutrifft ist Marc Ickx, Gründungsmitglied und jetzt die einzige treibende Kraft hinter A Split Second.

A Split Second: "Mebabite" 1995

'Megabite' so der Titel der zweiten Veröffentlichung nach A Split Seconds Reunion 1994. Megabyte, das ist die Maßeinheit der Speicherkapazität eines Computers und zugleich ein urtypischer Begriff der 90'er oder gar des gesamten Jahrhunderts. "Megabite, das ist ein Spiel mit den einzelnen Wörtern. Es beinhaltet sowohl den Cyber-Aspekt, sprich Megabyte, als auch eine animalisch und organisch agressive Seite.", so faßt Marc selber den Namen seines jüngsten Longplayers zusammen. Doch angefangen hat alles Mitte der Achtziger, nämlich im September 1986, als Antler Records die erste 12" 'Flesh' der beiden Musikdesigner Marc Ickx und Chrismar Chayell veröffentlichte. Von da an ging es für die beiden Belgier (erfolgsmäßig) in der Underground-Musikszene steil bergauf, so dass sie heute in einem Atemzug mit Gruppen wie The Neon Judgement, Skinny Puppy, oder The Klinik genannt werden müssen. Doch nach mehreren qualitativ sehr hohen Alben folgten diverse Remix-Veröffentlichungen, von denen sich die Band selber distanzierten. Das war auch die Zeit, in der A.S.S. untertauchten und verschwanden. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sie mit ihrem 94'er Werk 'Vengeance C.O.D.' und Hypnobeat als neues Label im Rücken wieder ins Gespräch kamen. Doch Venegeance war nur das erste Zeichen aus der Versenkung, quasi eine Aufarbeitung mit der Vergangenheit. Womit natürlich klar war, dass das gesamte Album noch total im alten Stil aufgenommen wurde. 'Megabite' ist hingegen der definitiv größte Schritt in der Geschichte A Split Seconds. Weiter ausführend berichtet Marc, dass dies ein Schritt ist, den er schon sehr, sehr lange machen wollte. 'Megabite' ist aber auch kein unfaßbarer Stilbruch. "Es ist in seiner Art näher herangerückt, an das, was die Band schon immer 'Live' darstellte.", ergänzt der Belgier seine Gedanken. "So ergibt sich auch ein Faden zu unseren vergangenen Werken. Es ist ist nach wie vor A Split Second - nur heute leben wir in den Neunzigern!" Was dazu führen mußte, das auch A Split Second auf verstärkten Gitarreneinsatz nicht verzichten konnten. "Die meisten Gitarren sind gesampled, damit sie wie Sequenzer klingen und die Electronic mehr in den Vordergrund stellen.", nimmt Marc den Wind aus den Segeln meiner Aussage. "Es sollte genau das Gegenteil sein, zu dem, was zur Zeit all' die anderen Bands machen." Wobei es auch 'richtige' Gitarren auf dem letzten A.S.S. Album zu hören gibt - nämlich auf den Songs 'Burn The White Flag', 'Gridlock' und 'Burn Me In Your Heart'. Dennoch scheint der Vorwurf der Trendhopperei sicherlich total abwegig zu sein, betört Marc jach auch, dass es sicherlich mehrere produktive Bands gibt, welche den Saat Crossover beackern. "Es gibt einige gute Crossover-Sachen, keine Frage, aber die meisten klingen sich untereinander einfach zu ähnlich. Viele Wiederholungen, sehr wenig Phantasie in den Drumparts und gewöhnlich sehr trashig gespielte Gitarren. Auf der letzten CD habe ich eine Menge Tribal-Rhythmen eingebaut und die Gitarre so weit wie möglich, strengförmig gehalten. Ich wollte Songs, welche in plötzliche Brutalitäten umschlagen, um langweilige Wiederholungen zu vermeiden." Die Arbeiten am 95'er Album haben sehr viel Zeit in Anspruch genommen (ca. 8 Monate), was wahrscheinlich auch an der erstmaligen neuen Herangehensweise des Herrn Ickx liegen mag. "Einiges an Material der 'Megabite' stammt aus Ideen, mit denen ich schon vor Jahren gespielt habe. Letztes Jahr nach der Skandinavien-Tour habe ich dann angefangen, die restlichen Songs zu schreiben, für welche ich über 4 Monate in Anspruch nahm. Es hat so viel Zeit gebraucht, weil ich dieses mal alles selber eingespielt habe. Ich habe meisten nachts gearbeitet, manchmal sogar bis 9 Uhr morgens, die meisten Leute kommen nicht klar mit dieser Art Zeitplanung. Diesmal hatte ich ziemlich klare Vorstellungen von dem, was ich wollte, so war es für mich auch kein Problem, so gut wie alles alleine zu berwerkstelligen. Manchmal braucht es auch nur ein paar Tage um einfach nur Abstand zu gewinnen von dem, was du gerade tust." Wie bie bisher allen A Split Second Alben, sind es oft auch oder gerade die Texte, die zu beeindrucken wissen. "Der Song 'DNA' zum Beispiel ist über Verhaltensmuster, welche stärker zu sein scheinen, als unser eigenes Ich. Sie scheinen beinahe erblich, als wären sie in unsere DNA geschrieben...", wie Marc den Song umschreibt. "Manche Leute scheinen immer wieder die gleichen Fehler zu machen. Immer und immer wieder. Manchmal sogar die Fehler die ihre Eltern schon lange vor ihnen begingen. Sie wechseln von einer Beziehung zur anderen, von einem Job zum nächsten. Sie können nirgends Halt finden und schlimmer noch, sie ziehen die Dinge, die schon von Beginn an ihr Schicksal zu sein scheinen, förmig an." Ein nicht 100% anderes Themengebiet stellt sicherlich auch das Stück 'Wolfpack' dar. "Es ist quasi eine Ausarbeitung 'homo homini lupus' oder 'man is a wolf to man'. Kein Tier tötet andere Tiere seiner eigenen Spezies in einer so immensen Zahl wie der Mensch. Das geht über Kriege, Straßenkriminalität bis hin zu den einzelnen Beziehungen zwischen Menschen, welche so komplex sind mit ihren Konflikten, wie sie in der sonstigen Tierwelt gar nicht existieren." Womit Marc Ickx einmal mehr bewiesen hat, dass er nicht nur provokante Worthülsen von sich läßt, wie viele seiner geschätzten Kollegen. Seine frühen, wie es seiner Zeit ein Pop&Dance Magazin so gelungen formulierte, sadomasochistisch angehauchten Texte (nicht ohne Ironie) sprachen davon, das Marc Psychologie studiert hat. Dazu Herr Ickx selber: "Ja, ich habe ein Psychologie-Diplom, leider !?. Mein Schreiben kommt meistens mehr aus dem Unterbewußtsein, so stark, dass manchmal die volle Bedeutung der Texte sogar für mich eine Entdeckung darstellt, wenn der Song fertig gestellt ist. Auf der anderen Seite gibt es halt so Songs wie 'DNA', welche ich schon meinem Einblick durchs Studium verdanke." Viele alte Fans der Kultgruppe vermuten hinter ihren Namen eine Hommage an Cabaret Voltaires 'Split Second Feeling'. "Ich bin beschämt zugeben zu müssen, dass ich diesen Titel gar nicht kenne, obwohl ich Cabaret Voltaire bis zu einem gewissen Punkt sehr intensiv gehört habe. Aber unser Name stammt noch aus einer Zeit bevor ich Cabaret überhaupt kennen gelernt habe." Die Frage ob er denn noch im Kontakt zu seinem ehemaligen Kameraden und Gründungsmitglied Chrismar Chayell steht, quittiert Marc nur mit einem kurzen "No". Marc ist gerade dabei einige Ideen für eine Livetour auszuarbeiten. "Die Show soll diesmal sehr viel 'körperbetonter' werden als bisweilen gewohnt, mit , wenn es machbar wird, theatralischen Einflüßen und einer speziellen Lichtshow." Der Belgier würde ganz gerne noch einen Drummer zum klassischen Line-Up, sprich Gesang, Keyboards (Peter Boone) und Gitarre (Fedzjean Venvelt) dazu holen. "Auditions are starting now!".

(Interview und Text: bz/sz)

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