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  Trauma im bekifften Rockerschuppen  
Girls Under Glass
Girls Under Glass
 

Text und Interview aus dem Jahre 1995.

Seit Mitte der achtziger Jahre gehören die Girls Under Glass zu den interessantesten Gitarren-Wavebands. Ihre Musik ist ein Wechselbad der Gefühle. Mal treten druckvolle Gitarren, die seit der 93'er LP "Christus" schon ins Metalgefilde vorgedrungen sind, und dann wieder eletronische Wavekompositionen in den Vordergrund. Das neue Album "Crystals & Stones" wurde wie gewohnt perfekt arrangiert und klingt, wie bei jeder GUG-Produktion, völlig 'frisch'. Das folgende Interview mit Volker und Axel war eine wirklich spaßige Angelegenheit.

Volker: Hallo, hier ist der Volker Zacharias. Du wolltest mit mir ein Trauma Interview machen...?
BZ: Ähm...eigentlich nicht. Wir wollten doch ursprünglich über die Girls Under Glass reden. Haben wir da was verpaßt?
Volker: (fängt an zu lachen) Nein, das war nur ein Scherz. Der vorige Interview-Partner wollte über die letzte Trauma Veröffentlichung sprechen und kannte den neuen GUG Longplayer noch nicht.
Axel:... (lacht ganz herzhaft im Hintergrund)

BZ: Okay *g*, dann legen wir mal los. Wie entstand die Idee zu "Crystals & Stones"? Welche Bedeutung hat der Titel?
Volker: Wie die Idee kam, war ganz witzig. Wir machen seit ungefähr neun Jahren Musik und hatten die Idee, noch ein Album aufzunehmen, was für eine Band relativ normal ist (lacht). Von daher steckt da keine böse Absicht hinter. (Jetzt muß auch Axel wieder lachen)
Der Name des Albums ist sehr bildhaft. Ein Kristall ist etwas hartes, scharfkantiges und auf der anderen Seite kann es einfach nur schön sein. So ist das auch mit unserer Musik. Sie hat Ecken und Kanten, sie ist teilweise relativ hart und andere Stücke sind 'schön'. Die Zwiespalt eines Kristalls findet sich schon ein bißchen in der Musik von GUG wieder. Das selbe gilt natürlich auch für einen Stein. Steine sind schwer, eckig und hart. Sie können aber auch rund und formschön sein.

BZ: Das neue Album wurde im Alleingang produziert und man findet so gut wie keine Gastmusiker wieder.
Volker: Wir wollten die experimentelle Seite von GUG wieder mehr in den Vordergrund stellen. Diesmal hatten wir keine Lust, uns von einem Produzenten irgendwelche Grenzen auferlegen zu lassen. Um mal kurz zu erläutern: Meistens fängt das schon bei der Soundauswahl an. Band und Produzent stehen ja nicht immer auf der selben Seite; es soll aber am Ende immer ein konstruktives Miteinander sein. Teilweise versucht ein Produzent immer die Ideen einer Band umzuwerfen, weil er mit dem Song etwas ganz anderes verbindet. Man läßt sich manchmal darauf ein, um den ganzen auch einen anderen Charakter zu geben, weil man dann denkt, dass sich das Stück weiterentwickelt. Im Studio hast du nur zwei Tage um einen Song fertig zu stellen und deshalb ist es wichtig, einem Produzenten vertrauen zu können. Das heißt, wenn derjenige eine Idee hat, läßt man sich darauf ein. Dann entwickeln sich die Stücke in eine ganz andere Richtung, wo du zum Schluß sagst: "Ey, ist ja ganz geil geworden." Es ist ja nicht so, dass wir uns mit den alten Scheiben nicht mehr identifizieren können, aber man muß es sagen, ein Produzent drückt einer Band immer den eigenen Stempel drauf.

BZ: Zeitgleich zur Dark Star Tour 95, wo GUG als Headliner fungieren, wird die Maxi "Die Zeit" ausgekoppelt.
Volker: Richtig, der Song "Die Zeit" wurde von den Krupps remixed und es wird auch eine bearbeitete Version von uns vertreten sein. "We Don’t Care" gibt es im neuen Gewand und wenn alles klappt...ein neuer Song. "Die Zeit" gefällt uns persönlich sehr gut und Die Krupps waren von diesem Track auch sehr beeindruckt. Da wir die Düsseldorfer schon sehr lange kennen, waren sie bereit, für uns einen Remix anzufertigen. Viele werden jetzt denken, Die Krupps – Crossover – alles klar. Aber weit gefehlt. Der Song hat jetzt nur noch die halbe Geschwindigkeit und ist sehr schwer, ziemlich schleppend und langsam. Man hört eine indische Melodie und der Refrain existiert nur noch ansatzweise. Das ist echt spitze! Trance-Metal wäre die passende Definition. Leute, die in bekifften Metalschuppen abhängen, werden ihre Freude daran haben.

Girls Under Glass

BZ: Was wird uns die kommende Tour akustisch und optisch so bieten?
Volker: Livekonzerte ist eine der Stärken der Girls Under Glass. Natürlich wird auch diesmal die aufwendige Lightshow dabei sein. Wahrscheinlich wird auf der diesjährigen Tour kein Schlagzeug auf der Bühne stehen, da wir versuchen, mit viel Metall-Percussion zu arbeiten. Wir werden kein 'Best Of'-Set spielen, sondern hauptsächlich neue Stücke vorstellen und wenn wir alte Songs spielen – dann im neuen Gewand, weil wir mit der letzten Veröffentlichung "Exitus" deutlich machen wollten, dass wir die GUG-Geschichte einfach einmal ablegen wollten und uns komplett auf neue Dinge konzentrieren möchten.

(bz)

Fotograf: Oliver Schultz-Berndt

Net_1: www.girlsunderglass.com
Net_2: myspace.com/girlsunderglass

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Girls Under Glass: "Exitus" CD 1995
Girls Under Glass
"Exitus" CD 1995





Girls Under Glass: "Crystals & Stones" CD 1995
Girls Under Glass
"Crystals & Stones" CD
1995