Rezensionen  


Interessante Musikveröffentlichungen einmal genauer unter
die Lupe genommen.

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  Album of the month   
August 2003   
 

Client
"Client"
CD (Toast Hawaii/Mute/EMI)



Angesichts der Flut an Debüt-Releases ist man schon geneigt, von einer Renaissance der New Wave und Electropop-Bewegung zu sprechen. Gerade in den letzten drei Jahren hat sich im Bereich der elektronischen Popmusik einiges getan bzw. auch verändert. Das erste Album des britischen Duos Client gehört auf jeden Fall schon jetzt zu den interessantesten Veröffentlichungen in diesem Jahr. Mit Client B besitzt die Band eine gute Sängerin, die den poppig-einfühlsamen Synthie-Kompositionen von Client A die entsprechende Wärme verleiht. Egal ob Popsongs wie "Diary Of An 18 Year Old Boy" oder die erste Vorabsingle "Price Of Love", dirty Electroclash-Nummern wie "Client" oder das wunderschöne Instrumentalstück "Leipzig", die zwei Damen können immer wieder durch exzellentes Programming und solidem Songwriting überzeugen. Highlight des Monats! Wer noch nicht so sicher ist, sollte mal die aktuelle Single "Rock And Roll Machine" antesten. (bz)

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  ...die Zeit besiegt!    
 

The Cramps
"Fiends Of Dope Island"
CD (Vengeance/EFA)



Um Poison Ivy und Lux Interior alias The Cramps war es in den letzten Jahren verdächtig ruhig. Nun können alle Fans wieder aufatmen. Auf "Fiends Of Dope Island" zelebriert die Band ihren trashigen Psychobilly-Rock'n'Roll wie vor 28 Jahren. Neben drei Coversongs befinden sich auch zehn Eigenkompositionen. Anspieltipps: "Big Black Witchcraft", "Taboo" und "Elvis Fucking Christ!".
Im September werden The Cramps in deutschen Konzertsälen zu bewundern sein. Wer ihre ultimative Psycho-Horror-Surf-Rockshow noch nie gesehen hat, sollte unbedingt mal vorbeischauen. (bz)

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  ein bisschen Rock'n'Roll    
 

Common Dream
"Gravity"
CD (Black Flames/Strange Ways/Indigo)



Ich ahnte böses, als vor ein paar Tagen diese CD auf meinem Schreibtisch landete. Wieder ein, der unzähligen schlechten Depeche Mode-Klone, dachte ich. Doch ich wurde positiv überrascht. Abwechslungsreiche Rhythmen, nette Gitarrenuntermalungen und die eine oder andere schöne Melodie hörte ich da. Mit Streichern und sonstigen Flächensounds schaffen sie es sogar, so etwas wie eine Atmosphäre aufzubauen, wie zum Beispiel bei "First And Last". Durch die eigenständigen Beats, hier sei besonders "Save Me" und "Word Was Said" erwähnt, erscheint das Debüt-Album der drei Jungs aus Polen recht frisch und modern. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen De/Vision und Mesh ansiedeln. Leider schafft der Gesang, wie so oft bei Bands dieser Stilrichtung, es nicht, mich vollkommen zu überzeugen. Ein guter Schuss Power bzw. einfach ein bisschen mehr Rock'n'Roll würde da Abhilfe schaffen. Es lässt sich darüber streiten, ob diese Platte, welche mit knapp 46 Minuten leider etwas kurz geraten ist, es schafft, aus dem großen Sumpf ihrer Artgenossen herauszustechen, den letztendlich ist es auch nur ein Synthiepop-Album unter vielen, wenn auch ein ganz passables. (mk)

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  Album of the month   
 
December 2003
 
 

Cyclotimia
"Trivial Pleasures"
CD (Monopoly Records)

Distributor Deutschland:
Stateart




Neues russisches Label, die zweite. Wie auch schon Dvar, haben auch die russischen Elektroniker Cyclotimia ihr neues Album "Trivial Pleasures" (das erste einer Trilogie) bei dem neuen Independent Label Monopoly Records untergebracht. Zwei Tracks, "NASDAQ" und "Currency Indicator" können auch als mp3 von Monopoly Records heruntergeladen werden. Allerdings sind meiner Meinung nach diese beiden Stücke nicht unbedingt repräsentativ, obwohl alle 11 Stücke auf der CD dem angedeuteten Strickschema folgen: Monotonie aus sehr analog anmutenden elektronischen Schwingungen zur Kunstform erhoben. Mein persönliches Highlight ist ".99", in welchem drei Grundthemen taktlich leicht aus der Phase gegeneinander laufen und somit ganz neue Gehörempfindungen und den Eindruck geisterhafter nicht wirklich vorhandener Töne hervorrufen. Für mich eine der besten Platten des Jahres. (jz)

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  Single of the month   
 
December 2003
 
 

Client
"Here And Now"
MCD/12" Vinyl
(Toast Hawaii/Mute/EMI)




Mit "Here And Now" koppeln die zwei Damen von Client bereits ihre dritte Single aus dem Album "Client" aus. Der Song handelt von gescheiterten Beziehungen und kommt durch der wunderschönen Piano-Melodie besonders herzergreifend daher. Speziell für den 'Radio Edit' wurde der wirre Gitarrenpart von Scott Fairbrother, der die Mädels auch live mit der Gitarre unterstützt, in den Song integriert. "Here And Now" hat auf jeden Fall das Zeug, um die Pop-Charts zu erobern. Der Cicada Mix transportiert den Song in einen tanzbaren Dancefoor-Track mit einer hypnotisierenden Psychedelia-Fläche, die sich langsam ins Hirn frißt. Kowesix und Tobitob alias Moonbotica warten mit einem groovenden Vocal-House-Mix auf. Darüber hinaus befinden sich auf der Maxi-CD zwei neue Songs. Zum einen das ein wenig an Sex im Kasernenhof anmutende "Military Sex" und zum anderen "Can't See Me Now". Die Vinyl-Version beinhaltet neben dem Cicada Mix und Moonbootica Remix einen Extended Mix und einen Cicada Vocal Mix. Fans müssen wohl auf beide Formate zurückgreifen, um ihre Sammlung zu komplettieren. Fazit: Ein wunderschöner Popsong der die kalten Wintertage vergessen läßt. (bz)

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  Archiv: C  
   



  Gut möglich   
 

Coldplay
"A Rush Of Blood To The Head" CD (Parlophone/EMI)



Coldplay sind bestens geeignet, um sie zu hören, wenn es einem schlecht geht. Dabei sind die Texte über der sanften Gitarrenpopmusik von Coldplay gar nicht optimistisch, sondern reflektieren über eigentlich dunkle Themen. Coldplay schaffen es aber auch auf dem neuen Album, wie auch schon auf "Parachutes", den Balance-Akt zwischen eingängiger, unaufdringlicher, schwebender Musik auf der einen Seite und starken, politischen, von Gefühlen durchtränkten Texten auf der anderen Seite mit Leichtigkeit zu halten. Das Coldplay keine Pop-Band um des Pop-Daseins selbst sind, sondern im Gegenteil eine Message haben, beweist u.a. die im Booklet enthaltene Liste von Links zum Opener "Politik". Coldplay sind keine Band, die durch einmaliges Hören überzeugt. Coldplay ist eine Band, die durch mehrmaliges Hören immer besser wird. Coldplay ist gut. Und vielen Zeitgenossen täte "A Rush Of Blood To The Head" gut. In beiden möglichen Auslegungen des letzten Satzes. (jz)

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  Wahlberlinerinnen    
 

Chicks On Speed
"99 Cents"
CD (Labels/EMI)



Pop! In all seinen Facetten. Ob Pop-Kapitalismus, Pop- oder cheap art, oder in der praktischen Ausführung einfach Pop-Musik. Wenn das, mittlerweile zweite, Album (dritte, wenn man die, nur in den Staaten veröffentlichte, Platte "Re-release Of The Unrealeses" mitzählt) der drei Wahlberlinerinnen ein zentrales Thema hat, dann ist es dieses. Kunst, die jeder machen kann, aber auch jeden erreichen können soll! Eine 'Do it yourself'-Attitüde, die eng mit den damaligen Punk-Idealen verbunden, aber in ihrer Zielsetzung eine ganz andere ist. Die drei ehemaligen Kunststudentinnen, die ursprünglich aus New York, München bzw. Australien stammen, warten mit ihrem bisher poppigsten Album auf, ohne sich dem Mainstream anzubiedern. Unterstützungen bekommen sie dabei von solch illustren Gastsängerinnen, wie Peaches ("We Don’t Play Guitars", erste Single) oder Miss Kittin ("Shick Shaving"). Aber es gibt auch Songs, die mich nicht zu überzeugen wussten. Das Tom Tom Club Cover "Wordy Rappinghood" zum Beispiel, dessen Gesang einfach nur nervtötend ist. Auch ist mir die Intuition des Songs "Conventry" noch nicht ganz bewusst, der mit Flamenco-Gitarren und R'n'B-Beats daher kommt. Das mag bei Madonna nichts besonderes sein, aber hier überrascht es doch ein wenig. Trotzdem belehrt "99 Cents" allen Kritikern eines Besseren, die Chicks On Speed nur als eine kurzweilige Erscheinung im Zuge des Electroclash-Kunst-Hypes angesehen haben. (mk)

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  Es ist soweit ...    
 

Clan of Xymox
"Farewell"
CD (Pandaimonium/EFA)



Die Blätter der Bäume haben ihr sattes Grün verloren und Herbststimmung macht sich an den kürzer werdenden Tagen breit. In meinem CD-Player liegt das neueste Werk von Ronny Moorings und die ersten sphärischen Synthieklänge von "Farewell", dem Opener des gleichnamigen Albums, erreichen meinen Gehörgang. Die intensiven Wave-Sounds verbreiten eine schöne, düstere Gänsehautstimmung passend zur Jahreszeit und machen Lust auf mehr. Die ersten drei Songs sind echte Tanzflächenfüller. Insbesondere "Cold damp day" wird mit seinen treibenden Beats für den richtigen Adrenalinschub auf den nächsten Gothicparties sorgen.
Ronny Moorings charismatische Stimme verleit insbesondere den langsameren Tracks in der Mitte des Albums "Dark Mood", "One more time" und "Loosing my head" eine einmalige Atmosphäre... Melancholie in unglaublicher Vielschichtigkeit.
Die Sounds bieten wieder ein nettes Spektrum aus Syntheziserklängen, tragenden, wie auch rockenden Gitarrenriffs und nett powernden Achtelbässen. Das schöne an dieser Scheibe ist, dass sie mit jedem Durchlauf interessanter wird, da sich dem
Hörer mehr und mehr filligrane Details erschliessen (so z.B. in den Soundscapes von "One more time"). Wenn auch die Gesamtthematik des Albums das Abschiednehmen ist, können wir nur hoffen, dass uns diese wunderbare niederländische Band noch lange erhalten bleiben wird. Zum Schluss vielleicht noch meine persönlichen Favoriten: "Into extremes" und "There's no tomorrow". Durchweg empfehlenswerte Scheibe, wenngleich das COX-Album "Hidden Faces" meiner Meinung nach bislang unerreicht ist! (gk)

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  trotzdem gut    
 

CKY
"Infiltrate-Destroy-Rebuild"
CD (Island/Universal)



Was soll ich jetzt sagen? Die CD gefällt mir auf Anhieb. Aber da das ja nicht das Maß aller Dinge sein mag ... Der Sound: Guter erdiger Rock (manche nennen es Surf-Punk) mit textlichem Anspruch. Die Songs gleiten flüssig aus den Boxen ohne Schnörkel. Zur Einordnung: CKY kennt ihr wahrscheinlich schon durch Jackass, da der Drummer von CKY der Bruder von Bam Margera ist. Die CD ist trotzdem gut. In Kürze: Alle Songs lassen sich hören, zu jeder Gelegenheit. Man kann die Texte links liegen lassen, obwohl gerade dort sich Vielschichtiges offenbart. Der Name der CD "Infiltrate-Destroy-Rebuild" ist Programm. Trackempfehlung: CD durchhören. Und verzeiht, wenn ich zu subjektiv bin. (jz)

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