Rezensionen  


Interessante Musikveröffentlichungen einmal genauer unter
die Lupe genommen.

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  Problemkinder    
 

Hardclan
"The Very Best Of"
CD (Les Disques Du Camp)



Die Medienmetropole Hamburg hat musikalisch seit jeher einiges zu bieten. Abseits vom Kiez und seinem Albers, abseits vom King-Karl, der Hamburger Schule und Bohlen gibt es eine Unzahl an Clubkulturen und Musikern. Eine Band heißt Hardclan. Die haben dieses Jahr ihre ‚Very Best Of’ veröffentlicht. Jemals schon etwas von Hardclan gehört? Dieses Duo ist zweifelsohne der momentane Insidertipp unter Hamburgs experimentierfreudigen Pistengängern. So systematisch und akkurat wie die zwei Destruktion live performen (und dabei ganze Plattensammlungen in Schutt und Asche zerlegen), zelebrieren sie auf ihrem Album Nonsens, Krach, Mut und Kompositionsgefühl. Kleine Kinder würden für ein solches Verhalten was auf die Finger kriegen. Hardclan bekommen Applaus. (sz)

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  Knarz im Mix    
 

Håkan Lidbo
"Clockwise RMXS"
CD-EP (Shitkatapult/Kompakt)



Remix. ['ri|miks; der; englisch] die Neuabmischung eines Musikstücks auf Basis des Mehrspur-Originalbandes. Beim Remix werden häufig zusätzliche Instrumente und andere Klangfarben beigemischt, so dass die neue Version des Musikstücks völlig anders klingen kann als das Original. So steht es im Duden geschrieben und so haben es Håkan Lidbo und drei Mitstreiter auch getan. Der 38jährige Produzent und DJ aus Schweden legt nach seiner ersten EP auf T.Raumschmiere's Label Shitkatapult vor einem Jahr nun mit der Remix-Ausgabe der selbigen nach. Die Originalversion des Titeltracks "Clockwise", der durch Break-Beats, verfremdeten Vocals und, wie der Name schon suggeriert, tickenden und klingelnden Wecker-Samples besticht, ist hier genau so enthalten, wie fünf Mixe und allen restlichen vier Songs der ersten EP. Dabei kann man sich die Mixe des Titeltracks sogar hintereinander anhören, fast ohne, dass es nervend oder langweilig wird, aber wie gesagt, auch nur fast. Auch wenn sich die Versionen schon recht unterscheiden, so sind die gesprochenen Vocals doch sehr dominant. Beim Remix von Si Begg wurde das Tempo etwas hochgeschraubt, wenn gleich er doch sehr dem Original ähnelt. Lidbo's Punkslut Mix kommt mit lustigen Analog-Sounds dahergeflitzt, ist nach knapp zwei Minuten aber auch schon wieder vorbei. Es folgt der Remix von Mathew Dear, der mit seinen straighten Beats zum tanzen einlädt. Danach kann man dann beim Appara-Remix zum, in Nighttime-Stimmung getränkten, Down-Beat relaxen. Wo die Vinyl-EP an dieser Stelle aufhört, geht die CD-Ausgabe mit der letzten Clockwise-Neuabmischung, namens Jetset-Mix, weiter und zudem bei diesem Track mit einem reduzierten Beat auch etwas schneller. Dann "Microsonic". Elektroider Punk mit Vocoderschluckauf und einem skurrilen Afro-Outro. Bei "The Fu-Clan", gespickt mit Samples japanischer Karatefilme, wird es dann fernöstlich. "My First Honest Penny" schlägt dann wieder mit einem Donnerbeat zu - Freunde von Knarztechno werden ihre Freude daran haben. Der letzte Track der Songsammlung, "Freeze LAPD", versetzt den Hörer mit seinem Discofunk mitten in eine Vorabendserie der 70er. Hat er gut gemacht, der alte Schwede. Nett. (mk)

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  Archiv: H  
   



  Angst Pop  
 

Haus Arafna
"Butterfly"
Vinyl/CD (Galakthorrö)



Ein neuer Longplayer aus dem Haus Arafna, erhältlich als (limitierte) LP und als (unlimitierte) CD. Die auf 1810 Stück limitierte LP kommt in leicht anderem Artwork daher als die CD, die 13 Stücke sind allerdings identisch. Als Vinyl-Fan bevorzuge ich natürlich die LP. Abgesehen von derartigen Äußerlichkeiten ist die Musik gewohnt einfach strukturiert und verbreitet die bekannte "Haus Arafna" Stimmung. Soll heißen: Die misantrophischen Minimal-Nihilisten des seit 10 Jahren bestehenden Labels Galakthorrö, deren ausgewählte Bands unter den plakativen Stichworten "Angst Pop", "Deäth Disco" und "Intensiv Elektronik" versammelt werden, arbeiten lieber mit Oszillatoren, Geräuschen, verzerrten Stimmen und monotonen Hintergrundloops als mit 'konventionellen' Instrumenten. Oder um es mit dem Motto auf dem Klappentext zu sagen: "electricity and simplicity". Die passende Filmmusik für alle, die sich lebendig zu Grabe getragen fühlen. Trotz allem Geräusch eine sehr poppige Platte, man kann den Tag nicht ohne "Butterfly" beginnen. Ich prognostiziere, dass in allen Clubs in den nächsten Monaten zuerst vereinzelt, dann immer häufiger, der baldige, ich sage mal Tanzklassiker, "Satanas And Friends" laufen wird. Wahrscheinlich sind sie in Bälde zu groß, um sie zu hören. Was soll ich dann bloß hören? (jz)

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  Selbstverantwortung    
 

H-Blockx
"No Excuses"
CD (X-Cell/Sony Music)



Seit letztem Jahr wieder neu zusammengesetzt touren die H-Blockx in diesen Tagen fleißig über zahlreiche Festivalbühnen. Parallel dazu veröffentlichen die Münsteraner ihr fünftes Studioalbum "No Excuses". Gespannt erwartet nach zweijähriger Pause. Ihre Musik ist wie immer klar strukturiert: die H-Blockx bieten eingängigen Rock, der zwar nicht langweilt, in diesem Fall aber auch nicht viel Neues zeigt. In ihren Texten rechnen sie nach eigenen Angaben mit sich selbst ab ("Come Along With You" - musikalisch der schönste Song des Albums) sowie mit dem Umfeld ("Where's The Message") und persönlichen Beziehungen ("Nothing Left At All"). Faule Ausreden lassen sie niemals gelten, "No Excuses" eben. Jeder sei für sich selbst verantwortlich - diese Botschaft unterstützen die H-Blockx auch durch ihre druckvolle Musik. Auf diese Weise bringen sie sogar den Rick-Springfield-Klassiker "Celebrate Youth" in die Nähe des Rockbaren. Sie klingen motiviert - und für die Musik ihres Albums lohnt es sich durchaus, Geld auszugeben. Trotz des fetten Kopierschutz-Hinweises, der keineswegs zum Kauf anregt. Auch das langweilige und einfallslose mitgelieferte Video zum Song "Leave Me Alone" ist kein Grund zum Kauf. Letzteres braucht man sich ja aber auch nicht unbedingt ansehen. (sf)

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