Rezensionen  


Interessante Musikveröffentlichungen einmal genauer unter
die Lupe genommen.

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  Fruchtbar    
 

Kosheen
"Kokopelli"
CD (Moksha/BMG)



Kokopelli ist gleichzeitig näher bei den Wurzeln und gereifter als das Debütalbum Resist von 2001. Kosheen, alias Sian Evans, Darren Decoder und Markee Substance, haben es geschafft, ein einheitliches, filigranes Meisterwerk authentischer, liebenswerter Musik abzuliefern. Kokopelli, der Name des nordamerikanischen indianischen Symboles für Fruchtbarkeit, Individualität (sic) und Musik, strotzt vor Eigenständigkeit, läßt aber trotzdem Raum für Reminiszenzen an knapp 25 Jahre englische Musikgeschichte (darunter die Lieblinge vieler Kritiker). Gegenüber dem Erstling zeigen die 11 Tracks von Kokopelli weniger Varianz, dafür gibt es keinen einzigen Spannungsabfall, und der Unterschied zwischen Konserve und Live-Performance wird dieses Mal doch eher marginal sein. Fans von Resist werden vielleicht von Kokopelli enttäuscht sein, da es eher nach Rockmusik denn nach Klangexperimenten klingt, aber dieses Album ist aufgrund der Wahrhaftigkeit der Stücke bereits jetzt eines meiner Lieblingsalben. Groß wird es neben der musikalischen Finesse und Reife durch die alles andere als nichtssagenden Texte von Sian. Wer das nachprüfen möchte: Meine Highlights auf Kokopelli sind "Suzy may", "Ages" und "Recovery". Und mein Tipp ist: Kaufen. Und bei der sonntäglichen Autofahrt durch den zeitweiligen Sonnenschein mit heruntergelassenen Fenstern hören. (jz)

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  Segas Kinder    
 

KiEw
"Diskette"
CD-EP (Out Of Line/SPV)



Dies ist eine Dreamcast-Diskette. Sie ist ausschließlich für den Gebrauch auf einem Dreamcast-Gerät gedacht. Wenn Sie diese Diskette auf einem HiFi oder anderem Audio-Gerät abspielen, kann erheblicher Schaden an den Lautsprechern entstehen. Bitte stoppen Sie jetzt diese Diskette. Zu spät! Schnell den Datenträger aus dem CD Player nehmen und noch einmal vergewissern, ob es sich um eine normale Audio-CD handelt. Puh, Glück gehabt. Gleich wieder in den Player gelegt und von neuem gestartet. Im Vergleich zur DD Version von "DCDisk" fällt der Soman Special Edit sehr Psychedelic-Trance orientiert aus. Neben einer melodischen Remix-Variante von TweakerRay befindet sich auch eine bearbeitete Version von Rotersand auf dieser 'Diskette'. Ein gelungener Remix, den man ohne Probleme in ein Gigolo und Disko B Set einbauen kann. Für großes Aufsehen sorgt der Leaetherstrip Remix (richtig gelesen, Herr Larsen is back!) von "Graograman". Man könnte fast denken, es handelt sich hier um einen waschechten Track von Claus Larsen! "Sojifu" hätten Squarepusher oder Aphex Twin wohl auch nicht besser hin bekommen. Titel wie "Zentrifuge" oder "Anstalt" strotzen in bester KiEw-Manier. Eine gelungene EP mit einer Spielzeit von fast sechzig Minuten, die keine Wünsche offen lässt. Das Betätigen der Repeat-Taste lässt sich nur schwer vermeiden... Kette, Kette, Kette... (bz)

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  lautmalerisch    
 

Klimek
"Milk & Honey"
CD (Kompakt/Zomba)



Der Frankfurter Multimediakünstler Sebastian Meissner, der auf diversen namhaften Elektroniklabels (z. B. Mille Plateux, Sub Rosa) bereits veröffentlicht hat, stellt mit Klimek ein Projekt vor, das musikalisch durchaus dem "Neuen Ambient" entspricht, den man von Sigur Ros, Godspeed You! Black Emperor oder Gas kennt- genau zwischen diesen Eckdaten ist Klimek anzuordnen: ausgehend vom Klang der Gitarre schafft Meissner lautmalerische, höchst visuelle Soundscapes, die an innere wie äusssere Wüsten erinnern können- wo jedoch Sigur Ros oder G.Y.B.E. bandorientierte Projekte sind, arbeitet Klimek im Alleingang, begleitet vom Zufall, Hall und Loop, um im Kopf Filme entstehen zu lassen- visuell werden diese aussergewöhnlich meditativen Klänge, die nicht im Ansatz Gefahr laufen, in Richtung Kitsch zu driften, auf der CD von einem Quicktime Movie unterstützt, in dem wir den Aufgang der Sonne mitverfolgen können, ein ebenso alltägliches wie besonderes Ereignis, auf die Betrachtungsweise kommt es an: Klimeks Klänge verstehen es, dem Moment das Besondere, das Bedeutsame zurückzugeben, Pop wird Kunst bleibt Klang! (ap)

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  Archiv: K  
   



  Laut, sehr laut!    
 

Killing Joke
"Killing Joke (2003)"
CD (Zuma Rec./Sony Music)



Musik, zäh wie Lava. Wer hätte gedacht das Killing Joke nach dem letzen Studioalbum ("Democracy") mit solch einer Dampfwalze vorfahren werden, um der Welt zu zeigen, wer die wahren Musikterroristen sind. Während sich andere Musiker der selben Generation sauber längsgelegt haben, startet der Cosmopolitan-Club richtig durch. Jaz Coleman grölt
sich die Kehle aus dem Leib das es nur so schmerzt. Klar ist, Killing Joke stehen sich selbst im Weg zum ganz großen Erfolg. Doch im Musik-Olymp sind Sie längst. (sz)

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  Single of the month   
 
November 2003
 
 

Kaycee
"The Truth"
MCD (Zeitgeist/Universal)



Mit 'Beg 4 More' haben die Bremer Kaycee in diesem Jahr eines der schönsten elektronischen Alben veröffentlicht. Die bezaubernde Stimme von Jette von Roth ergänzt die perfekt arrangierte Musik der zwei Soundtüftler Oliver Huntemann und Stephan Bodzin. Mit "The Truth" hat man sich eines der Highlights der LP ausgesucht. Wenn man die Album-Version abzieht, bekommt man sieben verschiede Versionen zu hören. Die Mixe wurden speziell für den Clubgebrauch neu aufbereitet. Neben den bekannten Jan Driver Remixen (als 12" auf Roach Motel erschienen) gibt es auch zwei bearbeitete Versionen von den Boogie Pimps. Übrigens hat Oliver Huntemann himself einen neuen Remix beigesteuert. Endlich mal wieder eine MCD mit größerer Tracklist und einer zufriedenstellenden Laufzeit. (bz)

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  Verweigerung    
 

Krankheit der Jugend
"-Ohne Titel- in Öl"
CD (Krankekunstverlag)



Seit einigen Jahren existiert die Krankheit der Jugend, aus deren Mitgliedern sich ein breites Schaffenspektrum an Literatur, Kunst und Musik entfaltet, welches sich im Kranke Kunst Verlag manifestiert. Den wenigsten ist sie bekannt, da ihr Ansatz einer ist, der den Underground nicht verlassen möchte. Die Musik, die auf "-Ohne Titel- in Öl" offeriert wird, ist dabei gar nicht, wie es bei verwandten Acts der Fall ist, uneingängig und experimentell, dass ein Verständnis nur Insidern und Gourmets vorbehalten wäre. Vielmehr bewegen sich Krankheit der Jugend auf einer Ebene, in der sich manch deutsche Band, die einen eigenen Stil entwickelt hat, verbunden mit der Verweigerung des Ausverkaufs, bewegt, der man aber ungern das Stigma Kult anheften möchte, denn das Stichwort ist: Originalität. Ist ihr konzeptioneller Ansatz vielleicht mit Current 93 vergleichbar, bewegen sich Krankheit der Jugend musikalisch auf einen von mir bis dato so nicht gehörten psychoaktiven Avant-Goth-a-billy zu, der nicht plakativ oder prätentios ist, sondern durch eine Eindringlichkeit, der seine Punk-Wurzeln nicht verleugnet, gewinnt. Diesbezüglich unterstützt so manche Geschichte um legendäre Liveperformances die der Band zugrunde liegende Subversivität, die sich auch in den Lyrics wiederfindet. Gute Menschen also. (ap)

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