Rezensionen  


Interessante Musikveröffentlichungen einmal genauer unter
die Lupe genommen.

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  UnCD, aber gut!    
 

Massive Attack
"100th Window"
CD (Circa/Virgin)



Das neue Album von Massive Attack ist die konsequente Weiterentwicklung der in den letzten Alben offenbarten Richtung. Die Tracks sind in sich abgeschlossener und gereifter, das Album als solches ist viel homogener, noch mehr als der Vorgänger "Mezzanine". Zum Teil liegt das in der Art und Weise, in der Massive Attack analoge und digitale Klänge bis zur Unkenntlichkeit verschmelzen, zum Teil mag es daran liegen, daß als Gastsängerin dieses Mal Sinead O Connor in unaufdringlicher und in den Sound integrierender Weise mitgearbeitet hat. Diese Entwicklung macht es aber dem Hörer eher schwer, "100th Window" gleich gut zu finden. Es erfordert doch eher Zeit und Geduld, dieses Album zu lieben. Wer sowieso schon Massive Attack Fan ist, dem wird dieses sicher gelingen, wer noch kein Fan ist, sollte auf keinen Fall von seinem ersten Hörerlebnis ausgehen. Die Tracks lassen sich aber trotz der Homogenität des Albums nach etwa dem zehnten Hören feiner differenzieren. Der Opener "Future Proof" ist der gelungene Einstieg in die hier präsentierte 'neue' Hörwelt und sicherlich eines der Album-Highlights. Für Fans der ersten Stunde ist der dritte Track "Everywhen" Anspieltipp. Alle Register werden im vierten Track "Special Cases" gezogen, der Merkmale sowohl der alten als auch der neuen Massive Attack vereint. Mein persönlicher Favorit unter den neun Titeln ist allerdings der phantastische Abschlußtrack "Antistar" (und der 'Hidden Track' der sich daran anschließt). Diesen Titel sollte man unbedingt auf einer guten Anlage mit gutem Bass-Sound auf voller Lautstärke hören. Musikalisch ist dieses Album den Kauf auf jeden Fall wert. Ich rate jedoch jedem explizit vom Kauf der 'CD' ab, da dieses Album keine CD im üblichen Sinne ist, da auf dem Silberling der Cactus Data Shield 200 (CDS 200) Kopierschutz Anwendung findet. Das verhindert leider kaum das Kopieren, aber dafür das Abspielen auf vielen portablen Playern, den meisten Auto-CD-Playern und auch einigen moderneren HiFi CD-Playern. Außerdem basiert CDS 200 unter anderem darauf, absichtlich Fehler in die Audiotracks einzubauen, was aufgrund der Fehlerkorrektur die Lebensdauer der 'CD' verkürzt. Für Interessierte: Näheres zu CDS 200 ist in der c't 7/2003 unter dem Thema 'Un-CDs, nein danke!' zu finden. (jz)

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  Ohrparasit deluxe  
 

Monster Movie
"Last Night Something Happened"
CD (Alison Records/Clairecords)



Hinter Monster Movie verbergen sich die ehemaligen Eternal-Musiker Christian Savill (Ex-Slowdive) und Sean Hewson. Ihr Debüt-Album, welches in den USA via Clairecords schon vor ein paar Monaten veröffentlicht wurde und für Furore sorgte, ist geprägt von melancholischen Indie-Rock-Songs. Die Titel bestechen durch ihre schönen Melodien, die durchaus Ohrwurmcharakter besitzen und manchmal sogar das Zeug zum Pop-Hit im kommerziellen Sinne haben (z.B. "Shortwave" oder "Waiting"). Mit "Take Me Away" können Monster Movie in direkter Konkurrenz zu Supertramp (sic!) antreten! "Star City" ist neben zwei weiteren Instrumentalstücken ein Track, der eine sehr gelungene athmosphärische Dichte aufweißt. Besonderes Merkmal ist übrigens das Bonus-Stück "The Same Again", welcher nur auf der europäischen CD-Version von Alison Records zu finden ist. Die Musik dürfte nicht nur Fans von Slowdive, Mercury Rev oder Radiohead ansprechen. Man kann nur hoffen, dass sich Alison Records auch für das nächste Album die Rechte für Europa sichert. (bz)

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  Beerdigung des Rock    
 

Mogwai
"Happy Songs For Happy People"
CD (PIAS/Zomba)



Vor kurzem lief bei mir die aktuelle Mogwai CD, als mich ein alter Kumpel, der eher auf pompösen Stadienrock steht, spontan besuchte. Nachdem er den Klängen der Glasgower Band einige Minuten beiwohnte, lies er verlauten, das die Musik sich anhöre, als wolle der Künstler den Rock'n'Roll beerdigen. Als ich ihm den Titel des Albums nannte, stelle ich am Gesichtsausdruck meines Bekannten leichte Verwirrung fest. Okay, die Musik hat nun wirklich nichts mit 'happy music for happy people' zu tun. Mogwai brühen wie auf ihrem Vorgänger melancholische Instrumentals die bei 'normalen' Hörern durchaus zu Depressionen führen können. Auch wenn die Gitarren bei einigen Tracks immer mehr in den Hintergrund treten, kann man nicht von einer Beerdigung des Rock'n'Roll sprechen. Aufgeschlossene Hörer sollten sich genug Zeit nehmen, um in die dunkle und emotionsgeladene Musikwelt der Band einzutauchen. Fans von Mogwai werden das Album eh lieben, obwohl es kaum überraschende Neuerungen gibt. (bz)

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  schöne Momente    
 

The Meeting Places
"Find Yourself Along The Way"
CD (Words On Music)



Während es hier in Deutschland kälter wird und der Himmel in vollem Grau erstrahlt und der Regen kein Ende nimmt, widme ich mich dem Debütalbum der Band The Meeting Places aus LA. Elf wundervolle Dreampop-Stücke wecken bei mir Erinnerungen an diverse wunderschöne Momente in meinem Leben. Die Texte von Chase Harris handeln von menschlichen Beziehungen. Der Sound ist oft traurig aber hinterläßt immer einen Funken Hoffnung. Vor allem "On Our Own", "See Through You" und "Now I Know You Could Never Be The One" haben es mir angetan. Emotionsgeladene Songs in bester Tradition der frühen Ride oder Kitchens of Distinction. Die vier Herren von The Meeting Places gehören zu den wenigen Künstlern, die begriffen haben wie die Symbiose aus Gitaren-Wall Of und melancholischen Pop heute klingen muß. Bleibt abzuwarten ob diese CD in Deutschland vertrieben wird. Ich denke dass The Meeting Places genau zur richtigen Zeit ihr Album veröffentlicht haben. Eigentlich sollte es nämlich schon im letzten Jahr erscheinen. Fans des psychedelischen Indie-Rocksounds werden "Find Yourself Along The Way" lieben. Mit dieser Band ist auch in Zukunft zu rechnen - da bin ich mir schon jetzt sicher. (bz)

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  Letzte Nacht    
 

Monochrom #15-23
Zweite Ordnung muss sein
BUCH  436 Seiten
ISBN 3-9500731-4-0

Bezugsquelle Deutschland:
entweder direkt über Monochrom,
über den X-Mist Vertrieb
oder im Buchhandel per ISBN.



Der Blick auf die Uhr verrät: 22 Uhr. Ich kann gar nicht genau sagen was da eigentlich vor mir liegt. Ein Buch? Ein zu groß geratenes Magazin? Kunst? Trash? Wilde Layoutcollagen, die an die goldenen Zeiten der Punk-Fanzines erinnern. Empfand ich auf den ersten Blick als zu gekünstelt, auf den zweiten jedoch als äußerst gelungen. Nachdem ich mich dabei erwischt habe, das erste Viertel des Werkes nur überflogen zu haben, blieb ich dann doch bei einer sehr fundierten Abhandlung hängen: Die Umstände am Ende des Films "Rückkehr der Jediritter" führen unweigerlich zu einem ökologischen Desaster auf dem Mond namens Endor. [...] Endor ist unbewohnbar, die Ewoks sind also ausgestorben [...]. Es stimmt natürlich bedenklich, dass ich erst bei diesem geistigen Käse in die wunderbare Welt von Monochrom einsteige. Das ich Artikel wie "Nötige Polemik gegen bestimmte Unzugänglichkeiten der Psychoanalyse" einfach ungeachtet überblättert habe. Also schnell zurück und nachgeholt. Später gibt es Rezensionen von Uhrzeiten. Sowieso wird alles rezensiert, was unter die Finger kommt. Beispiel gefällig?
Ein altes Afri-Cola-Schild von ca. 1953. Unnützes Objekt.
Verspricht überhaupt keinen Distinktionsgewinn und ich würde es nicht mal geschenkt nehmen. Nicht mal im Traum, in dem ich am Strand auf einen Anruf aus Chile in so einer Telefonzelle zum Anrufen, wie es sie nur in Thrillern gibt, warte und Frank Elstner kommt in einem Strandbuggy angefahren und will es mir schenken. Ich aber sage "Nein!", und bleibe hart. Und Frank Elstner sagt: "Ich hatte schon zahlreiche Ideen für sehr erfolgreiche Unterhaltungsshows, nimm jetzt dieses schon historische Afri-Cola-Schild, sonst bin ich blamiert." Da kommt Biolek und findet es interessant und fragt nach und die Situation ist gerettet.

"Monochrom - Zweite Ordnung muss sein" ist die Art Lektüre (subversiv, äußerst politisch, mal anstandslos und mal PC), die ich gerne dann lese (Idiot aus der Stadt, der ich ja bin), wenn ich eigentlich nur der Frauen wegen, mich mal wieder in der Unibibliothek rumtreibe. Darüber hinaus ist "Monochrom" bestens geeignet die Wartezeit zum nächsten Hohlspiegel des SPIEGELS zu verkürzen.
Warum aber so gelungene Aufsätze wie der von Susanne Stangl bezüglich Wells Kafkaverfilmung mit Man-At-Arms von Masters of the Univers hinterlegt ist, weiß nur der Layouter der Künstlergruppe aus Wien. Der scheint, ganz nebenbei bemerkt, ein stark ausgeprägtes Faible für Klaus Kinski zu besitzen. So, die Nacht ist jetzt rum. (sz)

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  Konsensmucke    
 

Morris
"The Right Thing"
CD (Tantrix Music/Sony Music)



Wayne Morris, Carl Fornia und Martin Engler kennen sich bereits seit Mitte der 90er Jahre, gründeten die Band Morris aber erst Anfang 2003. Jetzt folgt also das Debütalbum der "Newcomer", auch wenn dieser Begriff angesichts der über 70 Jahre Musiker-Erfahrung, über die die Bandmitglieder zusammenaddiert verfügen, irgendwie unangemessen klingt. Damit wir uns direkt richtig verstehen: Viel Neues hat diese CD nicht zu bieten, aber das macht überhaupt nichts, denn die zwölf Songs von "The Right Thing" verfügen dennoch über das gewisse Etwas, um sich vom Formatradio-Durchschnitt abzuheben. Besonders sind in diesem Zusammenhang die geradezu unverschämt eingängigen Songs "We All Belong" (welcher sich nahtlos in ein Fury In The Slaughterhouse-Album einfügen ließe - was übrigens auch noch für andere Stücke dieser CD gilt...), "The Right Thing" (der Titeltrack, in dem besonders der treibende Beginn und die Brücken zum Refrain Spaß machen) und "Love After All" zu erwähnen. Letzterer begrüßt den Hörer zunächst mit einer lässigen Gitarre und freundlichen Keyboard-Sounds, wie sie auch die Lightning Seeds gerne benutzen, um dann im Refrain zu einem hymnischen Ausbruch zu kommen. Brave Schmuserocknummern wie "Universe", "Pray", "Don't Tell Me" und "If You've Been Loved", die allesamt auch Robbie Williams gut zu Gesicht stehen würden, hat man natürlich irgendwie schon unzählige Male von anderen Interpreten gehört, aber nach ausgiebigen Selbstversuchen kann ich versichern, dass sie einem trotzdem nicht allzu schnell auf die Nerven gehen: Schon allein Wayne Morris' angenehme Stimme würde nämlich als Gegenargument ausreichen; dann noch hier eine Mundharmonika und da eine Hammond-Orgel reingebastelt, und fertig ist ein solides Popalbum. Eines, auf das man sich einigen kannt. (af)

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  Archiv: M  
   


  Hausmannskost   
 

Ministry
"Animositisomina"
CD (Mayan/Sanctuary)



Nachdem Al Jourgensen und Paul Barker mit ihren letzten Outputs "Filth Pig" und "Dark Side Of The Spoon" ihre Leidenschaft zu extremen Brachial-Sounds ausgeklügelt hatten, folgte 2001 ein exklusiver Track für den Film "A.I. - Künstliche Intelligenz" (zu finden auf der Best Of "Greatest Fits"). Im letzten Jahr erschien auf ihrem neuen Label eine CD und DVD mit Liveaufnahmen der Sphinctour. Und nun gibt es endlich das langersehnte Studioalbum. Auf "Animositisomina" besinnen sich Ministry auf ihre spaßig-progressive Phase zurück und liefern zehn schnelle scheppernde Gitarenoverflows mit gewohnten Breaks und einer nicht mehr ganz so stark verzerrten Stimme. Teilweise erinnern die Tracks sogar an die alten LP's wie z.B. "The Land Of Rape And Honey". Leider hat man diesmal auf die typischen Gimmicks wie Sprachsamples verzichtet. Neben Burnern wie "Unsung", melodiösen Industrial-Rock ("Broken") oder dem Magazine Cover "The Light Pours Out Of Me" findet man mit dem Song "Shove" sogar ein Stück, welches streckenweise in rockiges Pop-Gefilde abdriftet. Das finale Instrumental "Lepa" rundet das neue Werk der Industrial-Metal Urväter ab. Man kann nur hoffen, dass diesem Album mehr Beachtung geschenkt wird als den letzen regulären Veröffentlichungen. (bz)

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  Techno Fuck  
 

Mount Sims
"Utra Sex"
CD/2x12" Vinyl
(Internationl DeeJay Gigolo Records/Urban/Universal)




Mit leichten Punk-Attitüden verbindet Mount Sims seinen Sound, eine Mixtur aus Elektro, New Wave, House und Frickel-Electronica. Kein Wunder also, dass DJ Hell auf ihn aufmerksam wurde und ihn unter Vertrag genommen hat. Auf "Ultra Sex" (als Vinyl Nr. 94 im Gigolo Katalog) will uns Mount Sims seine Vorstellung von 'technosexual music', die erotischen Phantasien von Elektrosex, näher bringen. Der Album-Opener "Hate Fuck" wurde im letzten Jahr als Promo-Maxi heraus gebracht. Somit konnten auserwählte DJs schon im letzten Jahr mit diesem Track für Aufmerksamkeit sorgen. Vor kurzem wurde "Hate Fuck" übrigens auch als reguläre Maxi veröffentlicht. Mit "Rational Behavior" hat Mount Sims sogar einen Song im Gepäck, der Soundtechnisch eine Mutation aus Elektro-Funk-Jazz- und Tripgrooves darstellt. Dieser Longplayer dürfte auch außerhalb der Techno- und Housegemeinde Anklang finden. Eine gelunge Gigolo-Langrille! (bz)

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  Single of the month   
August 2003   
 

Moby vs. Princess Superstar
"Jam For The Ladies"
MCD (Mute/EMI)



Jam For The Ladies ist bereits die fünfte Singleauskopplung von Mobys letzten Longplayer "18". In Kooperation mit Princess Superstar ist dieser Song noch spannender geworden. Vor allem die bearbeiteten Versionen von Nevin ('Nevins Club Blaster Mix' und'Nevins Reggae Dub Banger') wissen zu begeistern. Mit den Songs "Bed" und "Ace Love" hat Moby gleich zwei neue Tracks in die Maxi integrieren lassen. Die zwei Stücke sind qualitativ gut gemachte Elektronica-Dancenummern, die sehr ruhig ausgefallen sind. Für Moby-Fans sowieso Pflichtkauf! (bz)

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  Powerbeat!    
 

More Machine Than Man
"Electrolust [Euro Version 2.0]"
CD (Black Flames/Strange Ways/Indigo)



Mit ihrer überzogenen comicstilartigen Lyrik und einem Powerbeat verbreiten More Machine Than Man einfach Spaß. Den inhaltlichen Anspruch einmal ganz außer Acht gelassen. Föhn an, volle Stufe, und ab geht’s. MMTM sind ein von der internationalen Presse hoch gelobter Industrial-Metal-Act. Die einschlägigen (online/print) Postillen jenseits des Ozeans überschlagen sich mit Lobeshymnen. Der deutsche Vertrieb hingegen scheint sich des Erfolges nicht so sicher und packt seinen Waschkorbzettel voll mit Vergleichen zu etablierten Gruppen. "Das klingt dann mitunter als träfen KMFDM, die frühen Ministry, Pitchshifter und Lord of Acid, auf Rob Zombie, Björk, Nine Inch Nails, Chemlab und Garbage." Was sich hier sehr blöd liest, trifft vereinzelt aber wirklich zu. MMTM orientieren sich klar an ihren WAXTRAX-Vorbildern, klingen aber elektronischer. Ein bisschen mehr Abstand hätte trotzdem nicht geschadet.
Die hier vorliegende "Euro Version 2.0" enthält gegenüber der amerikanischen Erstveröffentlichung Bonustracks: Remixe von Girls Under Glass und En Esch (Slick Idiot, Ex-KMFDM). Wer mehr erwartet, liegt falsch. (sz)

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  eine runde Sache    
 

Martin L. Gore
"Loverman EP²"
DVD+CD (Mute/EMI)



Knapp 7 Monate nach seinem Soloalbum "Counterfeit²" beglückt Depeche Mode-Mastermind Martin Gore die Menschheit mit einer weiteren Auskopplung aus diesem meisterhaften Album. Loverman heißt die Single und da sie direkt als Doppel-Pack erscheint, wird sie als EP tituliert. Die erste Scheibe ist eine DVD, die fünf Songs des Mailander Konzertes vom April diesen Jahres und ein Interview mit dem Master himself und auch seinem DM-Bandkollegen Andy Fletcher, sowie Backstage- und Soundcheck-Szenen beinhaltet. Der Sound des Mitschnitts, wahlweise in Stereo oder 5.1-Mix, weiß sehr zu überzeugen. Weniger prächtig ist die visuelle Umsetzung. Ein wenig unprofessionell und wackelig erscheint sowohl Kameraführung, als auch der Schnitt. Aber dies läßt sich sicherlich verschmerzen. Herausstechender Höhepunkt ist, neben "Loverman", die Kurt Weill-Ballade "Lost In The Stars", die durch den herausragenden Gesang spielend Gänsehaut erzeugt. Die zweite Disc, als Bonus zur DVD gedacht, beschränkt sich auf vier Audio-Tracks. Der erste ist der Radio Edit des Nick Cave-Songs "Loverman", der jedoch durch fehlende Textpassagen und eines Fade Outs zum Schluß, was bei Radio Edits für gewöhnlich nie vorkommt, nicht wirklich glücklich macht. Bei der Auswahl der restlichen Remixer hat der seit gut drei Jahren in Santa Barbara lebende Brite jedoch stilsicher ein glückliches Händchen bewiesen. Durch zitternde Synthie-Sounds, sphärischen Flächen und zum Teil verfremdeten Vocals unterscheidet sich der Bola Remix des Titeltracks deutlich vom Original. Fein. Die beiden folgenden Mixe von "Das Lied Vom Einsamen Mädchen" sind sehr minimal und auf das Wesentliche reduziert gehalten. Der Mix von Turner, einer Band, die sich in der deutschen Elektronik-Szene bereits einen sehr guten Namen erspielt hat, ist sehr relaxt, wobei der etwas längere Mix von Lawrence hingegen zwar nicht minder minimalistisch, aber durch den subtilen Beat etwas tanzbarer gestaltet ist. Dieses Release ist als ein reines Geschenk an die Fans zu betrachten, wenn man bedenkt, dass die Veröffentlichung des Albums und Martin's Minitour schon lange vorbei sind und es somit nichts mehr zu promoten gibt. Das unterstreicht den nicht-kommerziellen Charakter von Herrn Gore's Solokonzept und macht die ganze Sache umso sympathischer. Beide Daumen hoch. (mk)

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  Auseinandersetzung    
 

Marr
"Express And Take Shape"
CD (Grand Hotel van Cleef/Indigo)



Marr spielen schönen Gitarrenrock, den es, laut ihrer Plattenfirma, hier zu Lande eigentlich gar nicht gibt. Und das stimmt auch irgendwie, denn die Songs ihres Albums zeigen etwas Eigenes, Neues, das Lust auf genaueres Zuhören macht. Marr sind die vier Hamburger, Dennis Becker (Gitarre), Olli Koch (Bass) (beide auch bei Tomte tätig), Andre Frahm (Drums) und Jan Elbeshausen (Gitarre und Gesang). Sie singen über ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Person oder der Welt und verpacken dies in Melodien, die mal melancholisch sehnsüchtig, mal aggressiv treibend diese Platte beherrschen. Ihre Gitarren durchströmen die meist ungewöhnlich strukturierten Stücke und es macht Spaß, ihnen zuzuhören. Eine Aufforderung an jeden, Marr zu entdecken. (sf)

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