Rezensionen  


Interessante Musikveröffentlichungen einmal genauer unter
die Lupe genommen.

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  Spektrum Schwarz    
 

ohGr
"Sunnypsyop"
CD (Spitfire Rec./Eagle Rock/Edel)



Back and Forth 6 bereits gesichert – Was nun? Vielleicht lieber unsere Ohren der gegenwärtigen Musik zuwenden. Anstatt Restverwertung mal etwas 'frisches' hören. Die Soloambitionen der Kanadier warten schon seit jeher eher mit Innovation als mit Redundanz auf, womit ihnen bisher weniger Hörer vergönnt waren. Im Fall von "Sunnypsyop" begibt man sich auf eine spannende Reise. Würde Nivek Ogre dem Minimalismus frönen, ein paar gefällige Horrorfilm-Samples einfließen lassen und dazu ordentlich den Vocoder drangsalieren, hätte sein Output bei den Ottonormalschwarzkittel größere Chancen gespielt und gekauft zu werden. Doch weit gefehlt. Ogre hat in Kooperation mit Mark Walk seine Band musikalisch neu ausgerichtet. OhGr klingen atmosphärisch und irgendwie retro. In manchen Songs des neuen Albums scheinen ohGr den Wurzeln elektronisch-avantgardistischer Musik näher zu stehen als ihren eigenen musikalischen Anfängen. Und dies obwohl Ogres Musik nie popartiger klang. Für mich persönlich das (positivste) Überraschungsalbum des Monat August. Natürlich ist aus "Sunnypsyop" kein bunter Schmetterling geworden, der leicht beschwungen in die Charts flattert. Ein Wesen der Dunkelheit - ein Falter vielleicht. Was bei einer Persönlichkeit wie Ogre aber nicht weiter verwundert. Wahrscheinlich ist dies auch der wahre Charme des Longplayers. Obwohl alle Songs gefälliger und verspielter wirken als das 2001'er Debüt "Welt", wird es den meisten potentiellen Hören schwer fallen, sich diesem Werk vorurteilsfrei zu nähern. Doch es lohnt sich: volle Punkte von mir. Für Unentschlossene: www.ohgr.net (sz)

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  Archiv: O  
   


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Original Soundtrack

OST/Various
"Erbsen auf halb 6"

 



  Bewegend    
 

OST/Various
"Erbsen auf halb 6"
CD (Strange Ways/Indigo)



Es gibt Filmmusik, die lediglich die ihr ursprünglich zugewiesenen Aufgaben erfüllt: Sie untermalt Szenen, betont damit die Handlung, nimmt sie vorweg oder bereitet sie nach. Einen solchen Soundtrack als Audio-CD zu veröffentlichen, macht streng genommen wenig Sinn. Es gibt aber auch Musik, die dem Regisseur Arbeit abnimmt, die im Kopf des Zuhörers eigene Bilder erzeugt und gänzlich ohne vorgegebene visuelle Begleitung funktioniert. Zu jener zweiten Kategorie gehört zweifellos auch der fast vollständig instrumentale Soundtrack zu Lars Büchels "Erbsen auf halb 6". Der Film erzählt die Liebesgeschichte eines Mannes, der bei einem Unfall sein Augenlicht verliert, und einer Frau, die von Geburt an blind ist. Genau so traurig und gleichzeitig rührend wie diese Grundidee ist auch die Musik, die mit Max Berghaus, Dirk Reichardt und Stefan Hansen drei langjährige Schul- bzw. Jugendfreunde Büchels komponiert haben: Die Akkordwechsel wirken oft naheliegend, jedoch zu keinem Zeitpunkt beliebig. Wiederkehrende Leitmotive laufen aufgrund wechselnder Arrangements nie Gefahr, langweilig zu werden. Neben tiefen Streichern (für die sich das "Symphonic Lab Orchestra" aus Warschau verantwortlich zeigt) beeindruckt auf diesem Album vor allem das Klavier: Stücke wie "Im Rapsfeld" schenken inmitten allgegenwärtiger Melancholie genau jene kleinen Lichtblicke, die das Potential besitzen, einem erst recht die Tränen in die Augenwinkel zu treiben. In manchen Momenten klingt die CD fast schon gespenstisch minimalistisch, zum Beispiel, wenn zu Beginn von "Intro" und "Finale" lediglich eine einsame Knabenstimme den Weg durch die Stille findet. Hektik kommt während der 20 Stücke eher selten auf: Von kurzen Zwischenpassagen abgesehen geht es lediglich in den stilistischen "Ausreißern" "Hochzeit auf Russisch" und "Letim Letim" - mit Dancebeats und ukrainischem (?) Gesang - etwas flotter zu. Der letzte Track, "Blind" vom Hamburger Electro-Duo Wolfsheim, der in anderer Version bereits auf ihrem 1999er Album "Spectators" vertreten war, kann und wird sicherlich im Kontext eines bewegenden Films wirken - auf seine musikalischen Qualitäten reduziert erscheint der textlich perfekt ins Gesamtbild passende Song jedoch eher belanglos. Wenn seinetwegen allerdings einige sammelwütige Wolfsheim-Fans zu dieser CD greifen (psst, nicht verraten, dass der Song auch als Maxi erscheint...) und damit in den Genuss dieses gelungenen Soundtracks kommen, hat er doch noch einem guten Zweck gedient. Ich könnte eigentlich mal wieder ins Kino gehen... (af)

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