Rezensionen  


Interessante Musikveröffentlichungen einmal genauer unter
die Lupe genommen.

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  Anything goes    
 

Praga Khan
"Freakazoidz"
CD (Antler Subway/EMI)



Auf dem neuen Album verbindet der Ex-Lords Of Acid Soundtüflter Maurice Engelen und Oliver Adams mal wieder anspruchvolle DanceMusic, in Tradition der frühen neunziger Jahre, mit vielschichtigen Elementen der musikalischen Sub- und Popkultur. Egal ob nun Elektro, SynthiePop, House oder Reggae - alles hat seine Berechtigung in der facettenreichen Musiklandschaft Praga Khans. Neben Pop-Songs wie "Glamour Girl" (wurde hierzulande leider nicht als Maxi veröffentlicht) oder "Kinky World" fällt besonder der Deutsche Titel "Tausend Sterne" auf. Vielleicht gelingt den Belgiern mit diesem Song sogar ein Hit. Die Chancen stehen nicht schlecht. Ein kurzer Blick in die Popwelt verrät, dass sich in deutsch gesungene Lieder mit leicht verrückten Texten wieder verkaufen lassen. Man kann also nur hoffen, dass die EMI diesen Track noch als Single auskoppeln wird. Geplant war es zumindest. Fazit: Ein sehr guter Longplayer, der wie sein Vorgänger "Mutant Funk" zu überzeugen weiß. (bz)

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  ein bisschen SEX    
 

Peaches
"Fatherfucker"
CD (XL Recordings/Zomba)



Fast genau drei Jahre nach ihrem Debüt-Album "The Teaches Of Peaches" schlägt die Wahlberlinerin kanadischer Herkunft mit einem neuen Werk zurück. Viel HipHop habe sie in letzter Zeit gehört, lässt sie verlauten. Und so ist dieser Einfluss (wenn dieser Begriff nicht noch untertrieben ist) auch schlecht zu überhören. Doch paaren sich zu den, mal sehr minimalistischen, mal recht fetten Beats auch heftigste Gitarrenklänge, was den Hauptunterschied zum Vorgängeralbum markiert, welches weitaus elektronischer ausgefallen ist. Funk, Minimal-Elektronik und eine ironische Ausschlachtung von Rock-Klischees verschmelzen zu einem knackig-trotzigen Elektropunk. Eine Symbiose, die es in sich hat und zu einem großen Teil höchst tanzbar ist. Beim Duett "Kick It" verewigte sich auch eine echte Punk-Ikone auf dieser Platte: Iggy Pop, welcher sogar im Studio von der bekennenden Feministin gebeten wurde, gewisse Textzeilen wütender zu singen. Doch ist es keinesfalls so, dass sie den männlichen Sexismus verurteilt oder kritisiert. Sie macht es viel lieber ganz genauso – jedoch aus betont weiblicher Sicht. Und obwohl die Texte kein Deut weniger eindeutig sind, als noch beim ersten Album, soll Sex nicht das Hauptthema sein. Denn das, so sagt sie weiter, worum es auf "Fatherfucker" vor allem geht, ist Rock'n'Roll. That’s right. (mk)

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  Ping Pong    
 

Plastikman
"Closer"
CD/3LP (Novamute/EMI)



Nach über fünf Jahren gibt es endlich neues Material von Plastikman. Mit der Single "Disconnect" sowie dem neuen Album "Closer" meldet sich Richie Hawtin mit seinem Pseudonym Plastikman zurück. Wer Richie schon einmal als DJ erlebt hat oder seine Produktionen unter Richie Hawtin kennt, wird vom neuen Plastikman Album überrascht sein. Laut Richie Hawtin ist die "Closer" sein persönlichstes Album. Die zehn Stücke verbinden sehr eindrucksvoll ruhige düstere Flächen mit minimalen Techno und eine Handvoll distorted Sounds. Fast schon meditativ wirkt der neue Output von Plastikman. Audiophile Kopfkino-Tracks par excellence. Hin und wieder erinnern die Tracks an Richie Hawtins Concept-Werke. Natürlich darf ein obligatorisches "Ping Pong" nicht fehlen. Und spätestens bei "I Don't Know" werden die alten Erinnerungen wach. "Closer" gehört definitiv zu den anspruchsvollsten Produktionen im elektronischen Musikgenre 2003. Entdecken! (bz)

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  Archiv: P  
   



  Mag man?  
 

Placebo
"Sleeping With Ghosts"
CD (Hut Rec./EMI)



Placebo haben ein neues Album herausgebracht. Das Konzept ist das alte, allerdings fehlen die wirklichen Highlights. Das Album arbeitet sich, wie man es von Placebo gewohnt ist, langsam bis ins Gehirn und von dort dann weiter bis in die extremalen Gliedmaßen. Etwa nach dem dritten Hören kristallisieren sich Lieblingssongs heraus, bei mir sind das der instrumentale Opener "Bulletproof Cupid", der Titeltrack "Sleeping with Ghosts", das stärker abgehende "The Bitter End" und das ruhige "Protect me from what I want" (manchmal wäre das auch besser so ...). Auch die aktuelle Single "This Picture" schneidet beim fünften Mal nicht mehr so schlecht ab. Spätestens nach dem zehnten Hören mag man dann die CD. Beim zwanzigsten Hören und dabei bei Regenwetter mit kleinen Mädchen in Berlin telefonieren ist das Album dann wirklich gut. Einziges Manko: der obligatorische überflüssige CD-Kopierschutz. (jz)

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  innerhalb der Matrix    
 

Pride And Fall
"Nephesh"
CD (Dependent/Alive)



Äußerst intelligent verknüpft die norwegische Band Pride And Fall in ihren 10 Stücken ihres Debüts "Nephish" durchstrukturierten Power-Electro mit futuristischen Tech-Trance-Bausteinen zu neuen Dimensionen innerhalb der realen Matrix. Der Vergleich mit Bands wie VNV Nation oder Apoptygma Berzerk wäre einfach zu simpel und würde nicht ausreichen, um die komplexe Soundtüftelei von Pride And Fall zu definieren. Kein Wunder also, dass sich das Label Dependent dieser Band angenommen hat und als neuen Hoffnungsträger in der Electro-Szene vermarktet. "Nephish" unterstreicht sehr Eindrucksvoll, dass der sogenannte Future Pop noch lange nicht am Ende ist. Unbedingt reinhören! (an)

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