Rezensionen  


Interessante Musikveröffentlichungen einmal genauer unter
die Lupe genommen.

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  Happy Hippo    
 

S.V.D
"Hope"
CD (Dependent/Alive)



Bereits im Vorfeld wurde viel Wirbel um die neue Band S.V.D aus Vancouver gemacht. Slogans wie 'Die große Electrohoffung aus Kanada' konnte man in letzter Zeit oft lesen. Aus diesem Grund hatte ich die Meßlatte besonders hoch angesetzt. Zum einen bietet das Debüt-Album krachige, zum Teil düstere, Industrial-Electro-Tracks, die ihren Weg in die Clubs finden werden, und zum anderen gibt es ein paar geniale experimentelle Ambient-Spacesounds, die durch ihren Einsatzt von Voice- und Pianosamples manchmal sogar cineastische Qualitäten aufweisen. Endlich mal ein Album, welches man komplett durchhören kann, ohne dabei die Skip-Taste zu betätigen. "Hope" gehört für mich auf jeden Fall zu den besten Electroveröffentlichungen der letzten Monate. Von S.V.D wird man bestimmt noch einiges hören, zumal die Band sich gerade erst gefunden hat. (bz)

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  Trau Dich!  
 

System Of A Down
"Steal This Album!"
CD (Sony Music)



Mit dem dritten Longplayer sind System Of A Down noch weiter gereift. Die Mischung aus filigraner Gitarrenarchitektur und mächtigen Riffs wurde verfeinert, die Vokals nutzen noch mehr Raum aus. System Of A Down sind eben nicht 'noch so eine Metal-Band' und machen es Schubladendenkern von Haus aus schwer. Dieses gilt, wie auch bei den beiden Vorgängern, insbesondere in politischer Hinsicht. Die Band polarisiert, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Das beginnt bei dem schlichten (scheinbar zum Kopieren optimierten) Schwarz-Weiß-Desing der Hülle mit dem (wie mit dem Edding aufgebrachten) Text 'Steal This Album' auf dem Cover (ich war kurz davor, ehrlich) und endet noch lange nicht bei den Texten. Aufmerksamen Menschen auf dieser Welt dürfte das vierte Stück des Albums, "BOOM!" nicht entgangen sein, hat doch schließlich Michael Moore (bekannt durch 'Bowling for Columbine', harsche Worte an Bush Junior auf der Oskar-Verleihung) eigens aus aktuellem Anlaß eben dieses mit Friedensdemonstrationen gefilmt auf der ganzen Welt unterlegt. Allein schon aufgrund der Dynamik und Ausdruckskraft der Musik wäre "BOOM!" mein Lieblingstrack geworden, dicht gefolgt vom kräftigen "Highway Song", der (mit Geigen unterlegten) Ballade "Roulette", dem dazwischen angesiedelten "Ego Brain" und "Thetawaves". Dabei haben die genannten Stücke nur einen schmalen Vorsprung vor den anderen insgesamt 16 Stücken des Albums. Kaufen ... Oder doch Stehlen? Kaufen. Ach ja, hätte ich jetzt beinahe vergessen: Das Video zu "BOOM!" und andere Nettigkeiten (auch das Video zu "Chop Suey!" vom grandiosen Vorgängeralbum) sind auf der Seite der Band, www.systemofadown.com, zu finden. Anschauen. (jz)

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  Introspektive Katatonie    
 

Schock
"Glamour"
CD (Zeitbombe/Indigo)



Die zweite Scheibe der deutschen Melancholie-Rocker Schock. Der Name der CD passt zum Inhalt: 12 mal Glam-Rock, Reflektionen über Gefühle und Irrwege des Denkens. Zwar nicht schockierend, wie der Bandname suggerieren könnte, sondern auf breiter Basis subjektivierbar, sieht man vom vierten Track "Weiss wie Schnee" ab, den ich dann wohl doch nicht meiner Mutter vorspielen werde ... Dieser Song könnte eine Art Bewältigung der Erfahrungen des (nebenberuflich bei der Drogenhilfe arbeitenden) Sängers sein, läßt aber viel Raum für mannigfaltige Interpretationen. Die Melange aus breiten Rock-Gitarren, den orchestralen Synthie-Arrangments und der unaufdringlichen Stimme von Michael Schock ist gut für alle, die die Schnauze voll haben und zwecks Selbstheilung in den Zustand der introspektiven Katatonie verfallen oder einfach mal wieder abtanzen wollen. Den einzigen Vorwurf, den man der Band machen könnte, nämlich eine unterschwellige Assoziation mit HIM, vermag ich zwar nicht auszuhebeln, halte ihn aber für extrem unwichtig. Fazit: Ein gelungenes Album, die Highlights wohl der Opener "Mein Herz", meine Favoriten "Euer Krieg" und "Viel zu jung" sowie der clubgeeignete Track "Tanz" (sic). Bemerkenswert: "Glamour" läßt sich durchgängig hören, ohne dabei langweilig zu werden. (jz)

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  ein bisschen älter    
 

Sugababes
"Three"
CD (Island/Universal)



Das dritte Album der Sugababes ist beim näheren Hinhören gar nicht so oberflächlich, wie es das Cover-Art-Work und die aktuellen Videoclips vermuten lassen.
Keisha Buchanan, Mutya Buena und Heidi Range schreiben und singen in den meisten ihrer Songs über jene Verständnisschwierigkeiten in der Kommunikation zwischen Männern und Frauen, die eine Konversation meist unmöglich machen ("Conversation's over", "Million different ways", "We could have it all", "Hole in the Head"). Beruhigend, dass diese Thematik auch sehr junge Frauen beschäftigt. Leider verstecken die Sugababes ihre treffenden Kommentare zu sehr hinter plätschernden Popklängen. Allein "Situation's Heavy" wird leicht staccato aneinandergereiht und lässt Text und Musik dadurch gut zusammen wirken.
Ein Pendant zum ewig beruhigenden und aufbauenden Sugababes-Song "Stronger" des letzten Albums gibt es in Ansätzen in "Sometimes". Unpassend und textlich sowie musikalisch aus dem Konzept des Albums fallend ist allein der Diane Warren-Song "Too lost in you". Alles in allem ist "Three" ein gelungenes Pop-Album. Ich bin gespannt, worüber die drei schreiben, wenn sie noch ein bisschen älter sind. (sf)

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  schrabbelig & nörgelig    
 

Stin Scatzor
"Industrogression"
CD (Black Flames/Indigo)



Obwohl der Titel des Players verdächtig nach hartem Industrial klingt, ist die Scheibe doch eher ruhig, sie erinnert höchstens an Amerikanischen 90er Jahre Industrial. Minimalistische Klangteppiche gewebt aus einer schrabbeligen Gitarre und einem nasalen nörgeligen Synthie. Darunter matschige Drums und darüber angezerrte Vocals. Das soll nicht heißen, dass dieser Silberling es nicht wert wäre, ihn zu kaufen. Nur das sich angesprochene Publikum wäre wahrscheinlich zum Großteil erst einmal enttäuscht. Aber der Habenseite verzeichnet das Album eine sehr homogene Klangstruktur, die es einem ermöglicht, nebenbei zu Arbeiten (leise) oder Party zu machen (laut).
Die insgesamt 10 Tracks des Albums bieten zwar keine Überraschungen, nachdem man den ersten Track mit dem sinnigen Namen "I will die (for the last time)" sich zu Gemüte geführt hat, sind aber dann doch abwechslungsreich genug, dass ich "Industrogression" ohne Bedenken empfehlen kann. Und jetzt arbeite ich noch ein bißchen. (jz)

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  das Herz des Nordens    
 

Sami Koivikko
"Salmiakki"
CD/2x LP
(Shitkatapult/Kompakt/Zomba)




Vor gut zwei Jahren hat der Finne Sami Koivikko mit seiner 12"-Trilogie "Kut Pulatin" seinen Einstand bei Marco Haas aka T.Raumschmiere's very own Berliner Label Shitkatapult gefeiert. Nun legt er mit seinem Debüt-Longplayer "Salmiakki" nach. Wie man es von seinen vorherigen Veröffentlichungen gewohnt ist, ist auch diese Scheibe extrem minimal, funkig und sauber produziert. Aber so geradeaus und glatt, wie die Grundstrukturen der Tracks erscheinen, so verspielt sind sie im Detail. Kleine Plop-Ups, verwahrloste Riffs, miniaturisierte Melodien, vage angedeutetes Torkeln zwischen melancholischer Freude und harmonischem Trübsinn, aber immer im logischen Gesamtkontext der Elemente. Stets passiert etwas Neues, kleine Unregelmäßigkeiten, die es zu entdecken gilt. Der 24jährige Produzent, der kürzlich vom nördlichen Oulu ins südliche Tampere gezogen ist, weil es dort um durchschnittliche 0.7 Grad Celsius wärmer ist, erfüllt dabei aber nicht die Klischees des hohen Nordens. Im Gegenteil - manchmal klingen die Rhythmen des Elektronik-Bastlers für die Jahreszeit schon fast zu euphorisch, aber immer angenehm unaufdringlich, wenn auch bestimmt. "Salmiakki" ist übrigens nach dem finnischen Nationalschnaps benannt, der reinhaut und schmeckt. Genauso erwärmt die Platte das Herz jeden Liebhabers von minimalen House und Techno. (mk)

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  Elektrosoundscapes    
 

Sieg Über Die Sonne
"+1"
CD (Multicolor/Intergroove)



Die Soundtüftler Pink Elln und Dandy Jack haben mit "+1" ihr viertes Album unter dem Namen Sieg Über Die Sonne eingespielt. Die Vocals wurden diesmal von Jorge González, der auch schon auf dem letzten Album "(-) x (-) = (+)" mitgewirkt hat, komplett getextet, eingesungen und arrangiert. Sieg Über Die Sonne sind sich seit ihrer Gründung im Jahre 1988 im Sinne einer fortschrittlichen und vorangehenden Arbeitsweise immer treu geblieben und haben auf beeindruckender Art und Weise immer wieder verschiedene elektronische Musikstile in ihren Klangkosmos aufgenommen. Demzufolge war jeder Sieg Über Die Sonne Release eine neue Herausforderung für den Konsumenten beziehungsweise den Hörer. Ästhetische Elektrosoundscapes umwoben von transparenten Tech-House-Klängen bestimmen das Gesamtbild von "+1". Der Opener "Mirrow" besticht durch seine durchstrukturierte Klangdynamik und "Charotte De Gaulle" hat das Zeug zum großen 'Fiesta-Sommer-Hit'. Der Song "Gone" beweist eindrucksvoll, das man House, Soul und Pop vereinen kann, ohne dabei in kitschige Gefilde zu geraten. Mit "Love Is Okay" befindet sich sogar eine waschechte Electro-Pop-Nummer auf dem neuen Album. Tracks wie "You Better Send Me Home" oder das experimentelle Stück "Waste Time" runden diesen Longplayer ab. (bz)

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  Permanent Solutions    
 

Superpitcher
"Here Comes Love"
CD (Kompakt/Zomba)



Kompakts Golden Nite Boy Aksel Schauffer aka Superpitcher, geliebt für seine DJ-Sets, Maxis und Remixe innerhalb und außerhalb der Kölner Kompaktfamilie, hat seinen ersten Longplayer draußen. "Here Comes Love" heißt das Werk und wird in manch einer Lieblingsplattenjahresliste ganz weit oben stehen. Hier fließen unaufdringlicher Techno & Pop auf eine Art und Weise zusammen, dass man sich fragt, wieso das nicht schon früher jemand so gelöst hat. Songwriting in Sounds wattiert, die auch nach dem xten Hören Neues entdecken lassen, eingängigste paralysierend schöne Melodien mit höchstem Tanzbarkeitsfaktor & Superpitchers verführerisch gefllüstert-gesungenen Vocals (+ 1x Vivas Beste Charlotte Roche!) gemahnen an die magischen Morgenstunden, in denen man beseelt aus dem Club, der längst schon Wohnzimmer geworden ist, nach Hause geht, so geschehen z.B. am 20.4. im WMF/Berlin, wo der Superpitcher ganze DJ-Arbeit leistete: ein sich langsam aufbauendes, sich stilistisch immer weiter öffnendes Set sorgte dafür, dass die Tanzfläche im ehemaligen Funktionärsamüsieretablissement stets überfüllt blieb, die Beine in Bewegung, Freudeschreie stets auf den Lippen, erfüllt von dem Gefühl, dass das Leben etwas Großartiges ist und niemals aufhören soll. We don't need people to be alone. Die andere Seite des Superpitcher. Dann zuhause die Melancholie: Mitfließen entspannt auf dem Bett, am besten nicht allein, draußen zwitschern schon die Vögel. Ein unheilbarer Romantiker? Ein Melancholiker? Was ist das für ein Mensch, der solch wundervolle Musik erschafft? (ap)

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  Archiv: S  
   



  Spaghetti Western    
 

Snog
"Beyond The Valley
Of The Proles"
CD/2x12" Vinyl
(Hymen Records)




David Thrussell, der Mensch hinter Snog, hat sich musikalisch emanzipiert. Während seine frühen Werke musikalischer Ausdruck einer industrialisierten Gesellschaft waren, sind es heute mehr noch als früher seine verkopften Songtexte. Plastik-Industrial und Ambient waren für viele Jahre das Konzept von Snog. Nach der industriellen Revolution kam die technische Evolution, der Techno -mal gut, oftmals sehr billig- doch eines blieb immer, Thrussel's Liebe zur Spaghetti-Western-Musik, die atmosphärische wie die kitschige. Auf dem aktuellen Longplayer scheint es offensichtlich zu sein, dass Thrussel es ernst meint mit der Western-Musik. Fast ein ganzes Album voll mit Songs, die der Australier für zeitgemäßen Country hält. Einzige Ausnahme: Track 11 - "The Fruits", erinnert an Aphex Twin oder Black Lung (!). Ich möchte ehrlich sein, ich habe schon mit dem "Third Mall From The Sun"-Album so meine Mühen gehabt. Snog haben sich auf einen Pfad begeben, der für viele ihrer Zuhörer gar nicht mehr nachvollziehbar ist, Thrussel weiß das. Wer neben Throbbing Gristle auch Johnny Cash und Beck in seiner Plattensammlung ausmachen kann, sollte sich "Beyond The Valley Of The Proles" auf jeden Fall anhören. Die Doppel-LP (2x12") beinhaltet neben dem komplette Album (11 Songs) auf der zweiten Platte "Your Favourite Electro Folk Swingers" wirklich geniale Remixe von End, Black Lung und Shaolin Wooden Men, die meinem Bild von Snog entsprechen. (sz)

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  Under the Skin    
 

Suicide Commando
"Face Of Death"
2x MCD/MCD (Dependent/Alive)



Eine neue MCD der Belgier Suicide Commando. Face Of Death enthält in der normalen Version vier Mixe von "Face Of Death" und den Track "Deliver Us From Evil". Die auf 3000 limitierte Doppel-MCD enthält zusätzlich drei weitere Mixe von "Face Of Death", einen Remix von "Love Breeds Suicide" und eine Demoversion von "Sterbehilfe". Sowohl den Auflegern als auch den Fans sei die limitierte Version ans Herz gelegt, vor allem der (teilweise deutsche) "FSK 18 Mix" remixed by S.I.T.D. (Snuff Machinery). Der Song, egal in welcher Version, wird es sicherlich in die Clubs schaffen, und dort eine Menge Leute zum tanzen bringen. Mir persönlich fehlt bei den neueren Stücken von Suicide Commando die Kraft und Eindringlichkeit der Klassiker wie "Murder" von der "Stored Images". Im Endeffekt handelt es sich bei der Single um guten tanzbaren EBM, von dem es aber schon eine Menge auf dem Markt, und nicht nur aus Belgien, gibt. Origineller und besser, wenn auch nicht für die Tanzfläche geeignet, ist da die Dreingabe "Deliver Us From Evil". Dieser Track ist schöner unter die Haut gehender Electro. Mal abwarten, was das demnächst erscheindende neue Album für uns bereit hält. (jz)

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  ein bisschen schunkeln?    
 

Second
"Pose"
CD (Pulpo Negro Records)



Was halten wir von spanischen, unverlangt eingesandten CDs? Wenn auch nicht direkt an uns, ist uns die CD Pose der Spanier Second in die Hände gefallen: und wird selbstverständlich rezensiert.
Die sechs Spanier machen allerdings gute englisch anmutende Gitarrenmusik, keine heimatlichen Anklänge vorhanden. Immerhin zwölf Tracks unterschiedlicher Colour haben sie mit dieser CD abgeliefert, rockig, rotzig, ruhig. Nicht eine sehr starke Varianz, aber eben auch nicht langweilig. Genau das Richtige für die Autobahn. Oder für das nächste Zelten mit Freunden. Oder zum Volltrunken mit Fremden auf der Tanzfläche schunkeln.
Oder ...
Wenn Second auch nicht unbedingt ein Übermaß an Innovation darstellen, sind sie doch gut genug um ihre Nische und ihre Fans zu finden, und mogeln sich bestimmt über den einen oder anderen Gehörgang ins Herz. Das schaffen sie am ehesten über einen der zwei guten Dreier-Cluster: Gut sind nämlich die Tracks 04-06 ("Different Levels", "Living in London", "Smiling to Camera") und 10-12 ("Sometimes", "Sweet Caffeine", "Great Failures"). Man kann auf die Zukunft gespannt sein. Gracias por el CD. (jz)

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  Dichter & Denker    
 

Schiller
"Leben"
CD (Island/Universal)



Jetzt bloß nichts über Goethe schreiben ...
Schillers drittes Album zeigt deutlich, daß er mehr ist, als eine bloße zweite Haut für eine Vielzahl von Künstlern, die dem Projekt Schiller ihre Stimme leihen. Leben ist ein in sich stimmiges Album, dieses Mal mit Gastvokalisten wie Maya Saban, Mila Mar, Peter Heppner, Alexander Veljanov, Sarah Brightman und Kim Sanders. Schiller ist nicht Techno, er ist aber auch nicht dort beheimatet, wo sich der Großteil seiner geliehenen Stimmen zu Hause fühlt. Diesen Spagat merkt man ihm aber nicht an. Um es noch mal zu strapazieren, Schiller hat nichts mit Literatur zu tun, hat aber nichtsdestotrotz ein schillerndes Konzeptalbum zum chillen kreiert. Die höchst subjektiven Anspieltipps sind "I've seen it all" mit Maya Saban und die erste Auskoppelung "Liebe" mit Mila Mar. Obwohl das Album (bevorzugt in den Abendstunden, was aber nicht an der passenden Begrüßung "Willkommen" liegt) bei mir eh auf hoher Rotation läuft. Leider ist das Album nach dem technischen Standard mal wieder keine CD. (jz)

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  So catchy!    
 

The Strokes
"12:51"
MCD (RCA/BMG)



An ihnen scheiden sich die Geister. Von den einen werden sie als die Retter des Rock'n'Roll hochsterilisiert, von den anderen, der Minderheit, jedoch als hoffnungslos übergehypte Schrammelcombo mit Schülerband-Niveau verschmäht. Die Gesamtspieldauer ihrer Single "12:51" von gerade mal 3:47 Minuten mag zwar nicht gerade lang sein, überraschen tut es aber nicht, wenn man bedenkt, dass ihr überaus erfolgreiches Album "Room On Fire" auch nur gute 33 Minuten lang ist. "12:51" ist ein tougher Song mit einem straighten Beat, cool-zurückhaltenden Vocals des Sängers Julian Casablancas und modifizierten Gitarrensounds, die wie Synthies klingen. Catchy. So catchy, dass der Song das Zeug zu einem Hit hat, natürlich einem Indie-Hit. Denn das Liebdugeln mit dem kommerziellen Erfolg ist bei den New Yorkern ein absolutes Tabu. Zumindest wird es nicht offen ausgesprochen, denn der Erfolg ist seit ihrem Debütalbum "Is This It?" schon längst da. Der andere der beiden Songs ist eine Demoversion des Songs "The Way It Is". Nett. Die Strokes kokettieren mit Retro-Stilistiken, sei es musikalisch als auch optisch, wie etwa mit ihren Frisuren, Klamotten oder Chucks, welche jahrzehntelang als ein absolutes 'No Go' galten und plötzlich wieder todschick sind. Aber solange sich das nicht irgendwann nur als eine ausgetüftelte Marketing-Strategie erweist, können sie ihre Kritiker getrost reden lassen. Who cares? (mk)

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  Eigenwillig    
 

The Soil Bleeds Black
"Mirror Of The Middle Ages"
CD (Fossil Dungeon/Dark Vinyl)



"Backe, backe Kuchen, König Arthus hat gerufen." - so mein spontaner Gedanke, als ich "Ring Around The Rosey", den Opener von "Mirror Of The Middle Ages", zum ersten Mal hörte. Blecherner Rhythmus, widerliches Geflöte und ein Gesang, der an schlimmste Abzählreime aus der eigenen Kindergartenzeit erinnert. Das also soll "Neo Medieval Folk Music" sein? Schwer vorstellbar, dass so etwas irgendwem gefällt. Also schnell auf "Skip" gedrückt und "So Saith The Song Of Sigurd" gehört: Hier klingt die hohe Frauenstimme zwar immer noch gewöhnungsbedürftig, aber zumindest die melancholische Hintergrundmusik zeigt, dass die Riddick- Brüder und Eugenia Wallace ihr musikalisches Handwerk verstehen. Es folgen Stücke aus Orffs "Carmina Burana" ("Tempus Est Iocundum" und "In Taberna Quando Sumus", letzteres mit einem von wüsten Männerstimmen dominierten Ruf-Antwort-Spiel), ein dunkel-daherschleichendes Kirchenlied ("Kyrie Eleison") und weitere Titel mit Laute, Glockenspiel, vielen Flöten und vereinzelten Orgeleinsätzen. Diese halten sich nicht streng, aber zumindest überwiegend an den im Albumtitel proklamierten, epochalen Rahmen und bringen mich zum Nachdenken: Vielleicht liegen Reiz und Geheimnis dieser reduzierten, sehr natürlichen Musik ja gerade darin, dass sie früher nur von Spielmann zu Spielmann überliefert, und nicht auf Tonträgern konserviert werden konnte. Auf einem Mittelaltermarkt - mit Metgeschmack im Mund und dem Sonnenuntergang vor Augen - haben diese Lieder sicherlich Atmosphäre, aber in einer Stadtwohnung mit Designermöbeln und Breitbildfernseher wären sie vermutlich vollkommen fehl am Platz. Ergo: Wir haben es hier mit (pfui, ich hasse diesen Begriff!) "Eventmusik" zu tun, die eindeutig das Prädikat "nur für Fans" verdient. Was dabei herauskommt, wenn man folkige Stücke mit einem modernen Beat unterlegt und in die Neuzeit entführen will, kann man sich im letzten Stück des Albums antun: dem sinnlosen "21st Century Remix" des "Palastinalieds". Jener hat separat betrachtet vielleicht eine Daseinsberechtigung, auf dieser CD jedoch absolut nichts zu suchen. Abgesehen davon ist "Mirror Of The Middle Ages" aber für alle, die Handy und Anzug gerne gegen Schwert und Kettenhemd tauschen würden, eine tafelrunde Sache. (af)

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  Bonusfrage    
 

SDP
"Räuberpistolen"
CD (Stonedeafproduction /Soulfood)



Die beiden Berliner SDP machen Hip Hop. Und grenzen sich vom Hiphop und seinen Strukturen ab. Und bedienen sich der Stilmittel des Hip Hop. Wer das nicht ganz versteht, sei gänzlich unbesorgt, so einfach wie der Name von Track Fünf "Hip Hop ist scheiße" suggeriert ist auch die Welt der Jungberliner nicht. SDP steht wohl für Stonedeafproduction (Label), und ist laut mitgeliefertem Platteninfo keine Permutation der Buchstabenfolge SPD. Wussten die beiden Westberliner nicht, dass die Ost-SPD SDP hieß? Naja. Auf der CD sind 11 luftig-leichte Tracks versammelt, die mittels Gitarre (selbsteingespielt), netten Beats (allerdings aus Prinzip nicht die dicken fetten) und mehr oder wenig ironisch-verspielten Lyrics den Hörer in die Konstruktion der Welt nach SDP entführen. Aller Wortwitz ist nicht schlecht, es fehlt aber noch die Originalität, die SDP von anderen (nicht) Hiphop Bands abheben könnte. Sehr schön ist die Sammlung von Fehlern wie in schlechten amerikanischen und Jackie Chan Filmen am Ende von "Kein Partyhit". Mir gefällt das Universum von SDP, nur die Balance zwischen der Leichtigkeit einer von Trends unabhängigen Welt und dem Zwang, sich von Selbstverständlichkeiten abzugrenzen wird nicht immer gehalten. Bonusfrage: Wo ist das Homer Simpson Sample versteckt? (jz)

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