Rezensionen  


Interessante Musikveröffentlichungen einmal genauer unter
die Lupe genommen.

Archiv:  0 - 9   A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z


Zur Übersicht der Rezensionen

   
  Ready Or Not    
 

Tobias Schmidt
"Hooray For Everything"
CD (Disko B/EFA)



Waren seine frühen Alben noch geprägt von puristischen Techno-Tracks mit verspielten Ecken und Kanten wartet das neue und zugleich erste Werk auf Disko B mit fast schnörkellosen Retro-Tech-Pop Songs auf. Auf dieser Langrille verarbeitet 'Nest'-Boss Tobias Schmidt verstärkt seine Vorliebe zu elektroiden Klängen. Zum Glück driften die Tracks nicht in kitschige Klischees und überzeugen durch die immer wieder erkennbare Note Schmidts. Auf die Coverversionen von Throbbing Gristles "Hot On The Heals Of Love" und Delfonics "Ready Or Not (Here I Come)" hätte man allerdings verzichten können. Entdecken! (bz)

Top

 



  Album of the month   
 
February 2004
 
 

Telemen
"God Is A Computer"
CD (Multicolor/Intergroove)



Musik, die in Clubs entführt, deren Ansatz ein hedonistischer ist. Sex wird auf jeden Fall groß geschrieben. Die Multicolor-Family (u.a. die unvergessenen Sieg über die Sonne, die den Song "Angels Of Mercy" wunderbar remixt haben) bietet dem genreübergreifend arbeitenden Vollblutmusiker und Telemen-Mastermind Danyell Möglichkeit, die Tanzflure mit seinem Stilmix zwischen Techhouse, Elektropop und pointierten Vocals (sicher nicht ohne Hintergedanken stellt er sich im ersten Stück als Vampir dar) zu beglücken. Dieser Ansatz funktioniert, so dass die Musik genauso gut für Zuhause geeignet ist: Pop eben, ein Begriff, den einige Künstler aus ähnlichen Genres nicht gern hören, der den Telemen aber sehr gut zu Gesichte steht. Gott mag ein Computer sein, die Musik allerdings, die Danyell mit dessen Hilfe kreiert, wirkt mehr auf den Unterleib. Lust is a must! Dem beuge ich mich gerne. (ap)

Top

 



  Moderne Tanzmusik    
 

Throbbing Gristle
"Mutant TG"
CD/2x12" Vinyl (Novamute/EMI)



Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus. Im Mai werden Throbbing Gristle, die Initiatoren der Industrial-Musik, exakt 23 Jahre nach ihrer Auflösung ein einmaliges und allerletztes Konzert in alter Original-Besetzung (Genesis P-Orridge, Chris Carter, Cosey Fanni Tutti und Peter Christopherson) geben. Vorab erscheint "Mutant TG", ein Album, auf dem Künstler wie zum Beispiel Motor oder Two Lone Swordsmen ihre Lieblings-Tracks von Throbbing Gristle remixen. Der Beitrag von Simon Ratcliffe (Basement Jaxx) wandelt "Hot On The Heels Of Love" in ein traumhaft deepen Ambient-Dancetrack um. Detroit Techno Ikone Carl Craig hat das gleiche Stück auf über neun Minuten gestreckt und sich dabei stark am Original gehalten. Definitiv der einzige Track, worauf sich old school Fans und Techno & House-Hörer einigen können. Andrew Weatherall und Keith Tenniswood (Two Lone Swordsmen) verpassen "United" ein modernes Electro-Soundgerüst. Auf der Platte ist diese Version sogar als Instrumental vertreten. Größte Überraschung auf "Mutant TG" sind allerdings die Remixe von Carter Tutti (vormals Chris & Cosey). Neben "Hamburger Lady" haben die Beiden eine grandiose Remixfusion aus "Hot On The Heels Of Love" und "United" geschaffen. "HotHeelsUnited", so der Titel, dürfte sich neben der bereits erwähnten Carl Craig Re-Version von "Hot On The Heels Of Love" zum 'must have' Club-Tool entwickeln. Moderne elektronische Tanzmusik par Excellenze. Carter Tutti beweisen damit, dass auch heute noch mit ihnen zu rechnen ist. Auf das neue Carter Tutti Material bin ich schon jetzt sehr gespannt. Im Mai erscheint bereits der nächste Throbbing Gristle Tonträger. Eine 'Best Of' Namens "The Taste Of TG: A Beginner´s Guide To The Music Of Throbbing Gristle", die einen Querschnitt ihrer Schaffensphase sowie einige rare Liveaufnahmen beinhaltet. (bz)

Top

 
  Archiv: T  
   



  Laptop an und pogen    
 

T.Raumschmiere
"Radio Blackout"
CD (Novamute/EMI)



Ob "Radio Blackout" dem Radio auch einen solchen verpassen will, vermag man nicht zu sagen. Jedoch verteilt das neue Album von Marco Haas alias T.Raumschmiere dem jeweiligen Abspielgerät kräftige Tritte in seine elektronischen Eingeweide. Mit dem Opener "I'm Not Deaf I'm Ignoring You" geht das brachiale Klangspektakel auch sofort in die vollen und lässt den Hörer erahnen, was ihn im weiteren Verlauf erwartet: pogofreundliche Bratzbässe, raue, krächzende Synthie-Waves und einen extrem knarzigen, perkussiven Sound. Kurz gesagt - Elektronik, die rockt! Bevor Haas sich Mitte der 90er selbst zur elektronischen Seite der Musik bekehrte, strapazierte er das Drumkit einer Punkrock-Band. Und diese Wurzeln hat er sich bis heute zu 100 Prozent bewahrt, nur dass er heute seine Aggressionen eben durch den Laptop schickt, anstatt sie an Becken, Trommel und Snare-Drum auszulassen. Auch lässt das eckige Programm des Radio Blackout an Vielseitigkeit nicht mangeln. Denn auch langsamere und dubbigere Tracks, wie "Someday" oder "A Million Brothers (Blah Blah Blah)", bei dem MC Soom T aus Glasgow ihren Oldskool-Sprechgesang zum Besten gibt, gehören zum Repertoire. Beim Song "The Game Is Over" ist die Electroclash-Chanteuse Miss Kittin wieder ein mal mehr als Gastsängerin tätig und leiht dem Song, passend zu den treibenden Beats, ihre fordernde, ja fast bösartige Stimme. T.Raumschmiere (dem englischen Kurzroman "Die Traumschmiere" von William S. Burroughs entliehen) ist elektronische Musik, die den Blick über den Bildschirmrand nicht scheut und auf den Punkt kommt, ohne sich einem festgesteckten Genre zu unterwerfen. (mk)

Top